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Teure Parkettkratzer

Foxterrier auf Parkett: Der Vermieter muss die  Spuren akzeptieren. Foto: Julia Numßen © Julia Numßen

Spätestens beim Auszug und der Wohnungsübergabe stellt sich die Frage, wer für die entstandenen Schäden aufkommen muss. Das Amtsgericht Koblenz durfte sich kürzlich mit genau dieser Frage beschäftigen. Im konkreten Fall stellte der Vermieter dem Hundehalter, der einen Labrador in seinem Drei-Zimmer-Loft hielt, Instandsetzungskosten des Parketts in Höhe von 4.802,84 Euro (zzgl. Zinsen) in Rechnung, weil dessen Hund das gesamte Parkett zerkratzt hatte. Lediglich die Stellen, auf denen Möbel gestanden hatten, waren noch in Ordnung.
Der Vermieter, der die Hundehaltung erlaubt hatte, berief sich bei der Rechnungsstellung auf eine Klausel im Mietvertrag, wonach der Mieter für alle durch die Tierhaltung entstandenen Schäden haftet. Da der Mieter die Kosten aber nicht übernehmen wollte, kam die Sache vor Gericht. Das Amtsgericht Koblenz stellte sich auf die Seite des Mieters und entschied, dass dem Vermieter kein Schadensersatzanspruch im Hinblick auf die verursachten Beeinträchtigungen des Parkettbodens zustehe. Mit der Vereinbarung „Die Tierhaltung wird für den, uns bekannten, Hund (Labrador) gestattet“ hatte der Vermieter sich damit einverstanden erklärt, dass das normale Laufverhalten des Hundes im Rahmen der genehmigten Tierhaltung Teil des vertraglich vereinbarten Gebrauchs ist. Die zwangsläufig damit verbundene Folge einer Abnutzung des Parkettbodens durch die Krallen des Hundes, die durch dessen sach- und artgerechte Haltung ausgelöst wird, kann deshalb – ähnlich wie Laufstraßen auf Parkettböden – keinen Ersatzanspruch des Vermieters auslösen. Daran könne auch die Haftungsklausel im Mietvertrag nichts ändern (Az. 162 C 939/13).
CS


Zu früh gefreut

Die Berufungskammer des Landgerichts Koblenz hat das Urteil nun aufgehoben und die Klage des Mieters abgewiesen. Somit müssen Mieter für durch einen Hund verursachte Schäden aufkommen. In einem Pressebericht heißt es sogar, dass es zumutbar sei, den „Auslauf des Hundes auf einzelne Räume zu beschränken oder den Parkettboden anderweitig (z.B. durch einen Teppichboden) zu schützen.“ Das Berufungsurteil ist rechtskräftig (AZ: 6S45/14).
MW