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Taschenlampe und Nachtzielgerät – das planen die Länder

Sau im Scheinwerferlicht (Symbolbild)


Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, das Saarland und Brandenburg haben zur Jagd auf Schwarzwild den Einsatz von Taschenlampen erlaubt. Damit soll es leichter sein, die Schwarzkittelbestände zu regulieren und so einer Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest vorzubeugen. Denn laut Friedrich-Loeffler-Institut stellt sich nicht mehr die Frage ob die ASP nach Deutschland kommt, sondern wann.

Wir haben die zuständigen Ministerien aller Länder befragt, ob auch sie die Freigabe von Taschenlampen zur Jagd planen. Außerdem wollten wir wissen, wie sie zum Einsatz von Nachtzielgeräten stehen und ob aus ihrer Sicht eine Zulassung denkbar wäre, oder gar in Planung ist.

Wappen Baden-Württemberg © Wikipedia.org

Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg hält man den Einsatz von Nachtzielgeräten in Ausnahmefällen für eine weitere Option. Dies könnte beispielsweise in der Nähe von Siedlungsbereichen der Fall sein. Eine flächendeckende Lösung sieht man darin aber nicht. Aktuell wird nach einem Weg gesucht, dies rechtlich zu gestatten.

Der Einsatz von künstlichen Lichtquellen zur Jagd auf Schwarzwild wird in Baden-Württemberg bereits nicht mehr rechtlich verfolgt. Außerdem wurde der Elterntierschutz gelockert, sodass der fahrlässige Abschuss einer führenden Bache keine Ordnungswidrigkeit mehr darstellt.


Wappen Bayern © Wikipedia.org

Bayern

Eine Allgemeinverfügung, wie beispielsweise in Rheinland-Pfalz oder Brandenburg, ist in Bayern aktuell nicht geplant. Die jeweilige untere Jagdbehörde kann aber eine Ausnahmeerlaubnis erteilen, zum Beispiel aus Gründen der Wildseuchenbekämpfung. Allerdings hält man den Einsatz von küstlichen Lichtquellen in Bayern für eher ungeeignet, da ein Gewöhnungseffekt bei den Sauen auftreten würde. Nachtsichttechnik sei demnach erste Wahl.

Seit April 2016 ist es den unteren Jagdbehörden außerdem möglich, bei Vorliegen der jagdrechtlichen Voraussetzungen sowohl die jagdrechtliche Ausnahmegenehmigung und in Folge auch die entsprechende waffenrechtliche Beauftragung für Nachtsichtvorsatzgeräte zu erteilen. Zur Verwendung dürfen ausschließlich „Dual-Use“ Nachtsichtgeräte zugelassen werden, die durch einen Adapter mit dem Zielfernrohr verbunden werden können.


Wappen Berlin © Wikipedia.org

Berlin

Aus Berlin kam bis Redaktionschschluss keine Antwort auf unsere Anfrage.


Wappen Brandenburg © Wikipedia.org

Brandenburg

Auch Brandenburg hat den Einsatz von Taschenlampen zur Schwarzwildjagd bereits erlaubt. Aktuell sucht man dort nach einer Lösung, Nachtzielgeräte für die Schwarzwildjagd zu ermöglichen. Dies wird allerdings noch etwas dauern, da man in diesem Zusammenhang höchstmögliche Rechtssicherheit für Jäger schaffen will.


Wappen Bremen © Wikipedia.org

Bremen

Im Land Bremen hält man eine verstärkte Regulierung der Schwarzwildbestände im Moment für nicht erforderlich. Denn Sauen würden bisher nicht oder nur sehr sporadisch als Wechselwild vorkommen. Somit ist weder der Einsatz von künstlichen Lichtquellen, noch der von Nachtzielgeräten geplant.


Wappen Hamburg © Wikipedia.org

Hamburg

Auch in Hamburg ist der Einsatz von Taschenlampen bei der Jagd auf Schwarzwild über eine entsprechende Allgemeinverfügung erlaubt. Diese wurde durch die Oberste Jagdbehörde erlassen. Zudem wird die festgelegte Schonzeit für Schwarzwild aufgehoben. Ausgenommen davon sind führende Bachen.


Wappen Hessen © Wikipedia.org

Hessen

In Hessen plant man gegenwärtig keinerlei Maßnahmen in diese Richtung, heißt es aus dem Umweltministerium.


Wappen Mecklenburg-Vorpommern © Wikipedia.org

Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern liegt noch keine abschließende Bewertung darüber vor, ob Änderungen im Bereich der Sachlichen Verbote (§ 19 Absatz 1 Bundesjagdgesetz) zweckmäßig sind. Somit hat man sich auch noch nicht entschieden, ob der Einsatz von Taschenlampen erlaubt wird. Dies würde erst dann geschehen, wenn sich deren Einsatz als geeignetes Mittel herausstellen würde, Schwarzwildbestände verstärkt zu regulieren und so einer Ausbreitung der ASP vorzubeugen.


Wappen Niedersachsen © Wikipedia.org

Niedersachsen

Eine Arbeitsgruppe des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums zur ASP prüft derzeit jagdliche Maßnahmen: Es ist beabsichtigt, die Schonzeit für Schwarzwild aufzuheben. Zudem wurden kommunale Veterinärbehörden bereits aufgefordert, den Verzicht auf die Erhebung der Trichinengebühr für Schwarzwild zu prüfen.

Statt auf den Einsatz von Taschenlampen zu setzen, strebt man in Niedersachsen den "Fallenfang als ein ergänzendes und wirksames Instrument" zur Bejagung von Schwarzwild an. Dafür sollen fangbereiten Jägern geeignete Schulungen angeboten werden. Der Einsatz von Nachtzielgeräten wird kritisch gesehen und ist aktuell nicht geplant.


Wappen Nordrhein-Westfalen © Wikipedia.org

Nordrhein-Westfalen

Der Einsatz von Taschenlampen und Nachtzielgeräten sei aktuell nicht hilfreich, heißt es aus Nordrhein-Westfalen. Vor allem weil eine Verbindung von Waffe und Lampe bzw. Nachtzielgerät rechtlich nicht zulässig sei. Um die Schwarzwildjagd attraktiver zu gestalten, wird bei Frischlingen beziehungsweise Sauen unter 20 Kilogramm die Trichinenbeschau mit zehn Euro pro Stück mitfinanziert. Außerdem hat man Schonzeit für Überläufer aufgehoben.


Wappen Rheinland-Pfalz © Wikipedia.org

Rheinland-Pfalz

Nach der Freigabe von Taschenlampen Ende August sind seitens der „Expertengruppen ASP-Bekämpfung“ aktuell keine weiteren Schritte geplant. Eine mögliche Freigabe von Nachtzieltechnik zur Schwarzwildbejagung sieht man seitens des Umweltministerium Rheinland-Pfalz im Verantwortungsbereich des Bundes, da es sich um Bundesrecht handelt. Dieser solle wenn nötig handeln.


Wappen Saarland © Wikipedia.org

Saarland

Im Saarland sind Taschenlampen zur Jagd auf Sauen bereits seit einiger Zeit erlaubt. Eine Anfrage an das Bundesinnenministerium bezüglich der Freigabe von Nachtzielgeräten ist zwar noch nicht auf den Weg gebracht, wird aber aktuell vorbereitet.


Wappen Sachsen © Wikipedia.org

Sachsen

Aus Sachsen kam bis Redaktionschschluss keine Antwort auf unsere Anfrage.


Wappen Sachsen-Anhalt © Wikipedia.org

Sachsen-Anhalt

Zum jetzigen Zeitpunkt sei "bisher noch nichts" geplant, wobei die Betonung dabei ausdrücklich auf "noch" lag. Der zuständige Sprecher hält Maßnahmen in diese Richtung für jederzeit denkbar.


Wappen Schleswig-Holstein © Wikipedia.org

Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein prüft gegenwärtig, welche Maßnahmen zur Erleichterung der Schwarzwildbejagung zugelassen werden könnten. Entscheidungen gibt es zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht. Die ASP, sowie Maßnahmen dagegen, hält man allerdings für ein akutes Thema. Daher wird auch der Einsatz von Taschenlampen geprüft.


Wappen-Thüringen © Wikipedia.org

Thüringen

Derzeit wird ein Maßnahmenpaket zur Reduzierung der Schwarzwildbestände in Abstimmung mit dem Thüringer Gesundheitsministerium (TMASGFF) vorbereitet. Dabei werden auch jagdrechtliche Erleichterungen, wie der Einsatz von Taschenlampen und Nachtzielgeräten diskutiert. Noch liegt aber nur eine Entwurfsfassung vor. Im Moment will man die Bestände vornehmlich über jagdbezirksübergreifende Bewegungsjagden reduzieren.



Rasso Walch Der studierte Förster stammt aus einer traditionellen Jägerfamilie und hat seine Jägerprüfung bereits im Alter von 14 Jahren abgelegt.
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