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Senderstörung und Wolfsangriff

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Mittwoch, 27.01.2016 - 18:00
Dies ist der junge Wolfsrüde, der sich auffällig verhielt und deshalb im Juni 2015 das GPS-Halsband bekam. Foto: Lupusinstitut © Lupusinstitut

Noch im Juni 2015 bezeichnete der Niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) die erfolgreiche Besenderung des ersten Wolfsrüden aus dem Munsteraner Rudel als "wichtigen Schritt zur besseren Kontrolle". Nur wenige Tage später ging eine junge Fähe auf Sendung. Notwendig wurden die Maßnahmen, weil das Rudel durch Nahkontakte zu Menschen aufgefallen war. Bei einem möglicherweise auffälligen Verhalten könne man so schneller mit geeigneten Vergrämungsmaßnahmen reagieren, hieß es damals.
Nun wurde bekannt, dass das GPS-Halsband der Fähe keine Daten mehr sendet. Achim Stolz, Pressesprecher des Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), bestätigte den unterbrochenen Satellitenkontakt. Seit November 2015 gebe es diesen nur noch bei dem Rüden. Die Anwesenheit der Fähe werde aber einmal wöchentlich per UKW-Antenne überprüft.
Anders als bei den Besenderungen hielt man es nicht für nötig, diese Informationen zu veröffentlichen. Umso interessanter wird deshalb ein Nahkontakt vom vergangenen Freitag. In der Nähe von Wardböhmen (Kreis Celle) ist eine Spaziergängerin mit ihrem angeleinten Hund auf einen besenderten Wolf gestoßen. Erst als sich Isegrim bis auf etwa fünf Meter an die Frau heranwagte, hätte sie ihre Hündin abgeleint. Dann seien die Tiere aneinander geraten, wobei der Grauhund dem Vierbeiner Bissverletzungen zugefügt haben soll. Nur durch Schreie und Gestikulieren sei es der Halterin gelungen, den Wolf zu verscheuchen. Für den zuständigen Wolfsberater Jörg-Rüdiger Tilk sind die Ausführungen absolut glaubhaft: „Vor allem die Fotos beweisen die Nähe zum Wolf“, so sein Fazit. Ob es sich bei dem Tier um einen Rüden oder eine Fähe handelt, könne er anhand der Fotos nicht eindeutig sagen. Sicher sei er sich aber, dass das Tier ein Sendehalsband trug. Auf Nachfrage der Redaktion wollte das NLWKN bisher keine Details preisgeben: „Eine abschließende Beurteilung ist noch nicht möglich", heißt es.
Laut Helene Möslinger vom Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ gebe es neben den beiden Tieren aus dem Munsteraner Rudel zwei weitere besenderte Wölfe in Deutschland. Einen in Mecklenburg-Vorpommern und eine Fähe in Sachsen. Letzere sei jedoch definitiv hier sesshaft, versicherte die Expertin. Auch Dr. Norman Stier, der das Wolfsmonitoring in Mecklenburg-Vorpommern betreut, versicherte, dass der Jungwolf "zuhause" sei.
Auch wenn es noch nicht offiziell bestätigt ist, scheint es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eines der auffälligen Tiere aus dem Munsteraner Rudel zu handeln. Damit wären alle zuvor geäußerten Rechtfertigungsgründe für die Besenderung fragwürdig. Denn weder reagiert man schnell mit Vergrämungsmaßnahmen, noch scheint eine bessere Kontrolle möglich, wie sie sich Umweltminister Stefan Wenzel erhofft hatte.
MH