+++ Afrikanische Schweinepest bisher bei 3.885 Wildschweinen nachgewiesen (Stand 16.5.2022) +++
Home News Seeadler illegal erlegt – Jäger durch GPS überführt

Seeadler illegal erlegt – Jäger durch GPS überführt

Phil Kahrs © Phil Kahrs
Phil Kahrs
am
Donnerstag, 10.03.2022 - 12:43
1 Kommentar
Seeadler-LIFE-EUROKITE © ©Projekt LIFE EUROKITE
Der Jäger hatte versucht, den Seeadler in einem Gewässer verschwinden zu lassen.

Ende Februar wurde im Altmarkkreis Salzwedel (Sachsen-Anhalt) ein streng geschützter Seeadler illegal geschossen. Das teilte am 8. März das Projekt LIFE EUROKITE in einer Pressemitteilung mit. Dieser hätte, ähnlich wie ein Flugschreiber, den Bewegungsverlauf des Vogels metergenau aufgezeichnet. Mithilfe der Daten wären die Biologen am 24. Februar auf die Tat aufmerksam geworden.

Wie Projekteiter Dr. Rainer Raab gegenüber der Redaktion berichtet, gibt der GPS-Sender bei einem ungewöhnlichen Bewegungsprofil, oder wenn die Körpertemperatur des Tires zu stark absinkt, eine Warnung aus. Diese wird dann von den Mitarbeitern des Projekts LIFE EUROKITE überprüft. Zusätzlich erfolgt drei mal am Tag eine manuelle Überprüfung der Senderdaten. Bei Unregelmäßigkeiten werden in den unterschiedlichen Ländern die jeweiligen Ansprechpartner kontaktiert, um mögliche Todesfälle unter den Vögeln zu untersuchen. So auch in diesem Fall.

Jäger konfrontiert

Nachdem von den Verantwortlichen aufgrund der Senderdaten vermutet worden war, dass das Tier nicht mehr am Leben sei, wurde der Sender vor Ort gesucht. Er konnte in einem Fluss lokalisiert werden. Gleichzeitig wurde das Bewegungsprofil des GPS-Senders untersucht. Der längere Aufenthalt an einem Standort über Nacht wurde mit der zugehörigen Meldeadresse abgeglichen. Diese Überprüfung ergab, dass es sich um den Wohnsitz eines Jagdpächters handelte. Der Seeadler war vermutlich zuletzt lebend in seinem Revier unterwegs gewesen. Am 1. März führte die zuständige Naturschutzbehörde eine Kontrolle bei dem Jäger durch. Dieser gab zu, den Adler erlegt zu haben. Am nächsten Tag habe der Mann entdeckt, dass der Vogel mit einem GPS-Sender bestückt war. Um seine Tat zu verschleiern, habe der Jäger den Sender an einem Stück Holz befestigt und in einen Fluss geworfen. Auch das tote Tier habe der Mann versucht, verschwinden zu lassen. Später gab der Jäger den Ablageort des Tieres preis.

Der Sender wurde an ein Holzstück gebunden und in einen Fluss geworfen.

Zu dem Vorfall sagt Dr. Rainer Raab, „Ich bin selbst Jäger, kann so ein Verhalten aber in keinster Weise verstehen.“ Auch der Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Sachsen-Anhalt e.V., Wolf Last, zeigt sich unverständlich. „Der Seeadler ernährt sich hauptsächlich von Fischen, Wasservögeln und Aas. Als Jäger kann man froh sein, diese seltenen, majestätischen Vögel im Revier beobachten zu können“, betont Last. „Die Tat ist in keiner Weise nachvollziehbar. Wir können uns davon nur distanzieren.“

Seeadler gehören in Deutschland zu den streng geschützten Vogelarten und genießen eine ganzjährige Schonzeit. Wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz, das Tierschutzgesetz und das Bundesjagdgesetz wurde nun Strafanzeige erstattet. Der Jäger sieht sich mit einem Gerichtsverfahren konfrontiert. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft, eine hohe Geldstrafe sowie der Entzug des Jagdscheins.


Kommentieren Sie