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Schwindler verurteilt

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Sonntag, 19.04.2015 - 02:10
Ein Maskierter präsentiert im Netz ein baugleiches Luftgewehr. Foto: youtube © youtube
Ein Maskierter präsentiert im Netz ein baugleiches Luftgewehr. Foto: youtube

Ende Januar (wir berichteten hier) hatte sich ein 46-Jähriger in der Notaufnahme im Krankenhaus in Detmold gemeldet und eine frische Schussverletzung am Bein präsentiert. Seine Erklärung: Er habe sein Auto an einem viel frequentierten Waldparkplatz abgestellt, sei losgejoggt, und nach etwa 400 Metern Strecke zu Fuß habe er einen Schmerz gespürt. Daraufhin sei er wieder 300 Meter zum Auto zurückgehumpelt und ins sechs Kilometer entfernte Krankenhaus gefahren.
Die Ärzte im Klinikum diagnostizierten einen glatten Durchschuss des Oberschenkels. Die Polizei startete sofort Ermittlungen auf Hochtouren, konnte trotz Spürhunden und THW-Unterstützung aber weder ein Projektil noch Blutspuren an der besagten Stelle finden. Während der einwöchigen erfolglosen Detektivarbeit der Mordkommission ging in der Bevölkerung die Angst um: Eine verirrte Jägerkugel, ein Dummer-Jungen-Streich oder ein gefährlicher Heckenschütze könnten verantwortlich sein, wurde spekuliert. Nach einer Woche stellte sich heraus: Der Mann hatte sich selbst angeschossen.
Wie der Maurer im Prozess vor dem Detmolder Amtsgericht ziemlich kleinlaut zugab, hatte er ein Weitschuss-Luftgewehr bei einer Entrümpelung gefunden und mitgenommen. Zu Hause habe er das „Hatsan 125 Sniper“ versteckt: „Ich weiß, dass meine Frau sowas nicht abkann.“ Dies sei dann auch der Grund gewesen, das erlaubnispflichtige Gewehr bald darauf zu verkaufen und dem Käufer zuzuschicken. Dumm nur, dass die noch geladene Waffe beim Verpacken losging: Mit einer Mündungsenergie von 34 Joule durchschlug die Kugel das Bein des 46-Jährigen. Aus noch größerer Angst vor seiner Frau, versuchte er den Zwischenfall zu verheimlichen, brachte das Paket zur Post und meldete sich dann in der Notaufnahme mit seiner „Räuberpistole“.
Der Amtsrichter verpasste ihm für den Diebstahl des Luftgewehres und das Vortäuschen einer Straftat eine einjährige Freiheitsstrafe auf Bewährung und eine Geldbuße von 1.600 Euro (AZ 31 Js 318/15). Das Urteil ist rechtskräftig.
Ulrich Pfaff