Home News Schutzstatus nicht diskutierbar

Schutzstatus nicht diskutierbar

Gerhard Adams, Umweltministerium: "Der Wolf gehört nicht ins Jagdrecht."


Der Deutsche Jagdverband (DJV) geht bei der Entwicklung des deutschen Wolfbestands mit einer derzeitigen jährlichen Zuwachsrate von zirka 30 Prozent aus. Da dadurch bald ganz Deutschland betroffen sein könnte, fordert der DJV einen nationalen Managementplan. Dieser müsse auch die Bestände von Isegrims Beutetieren miteinbeziehen und „den Rahmen für die Wolfmanagementpläne der Länder“ darstellen: Denn auch das „Monitoring ist Staatssache“, so Knut Falkenberg vom LJV Sachsen. Der DJV überlege allerdings, sich finanziell an den Genuntersuchungen zu beteiligen.
Ilka Reinhardt von LUPUS untermauerte den starken Populationsanstieg der Wölfe mit Zahlen: Waren es im Aufnahmejahr 2012/13 noch 18 Rudel, sieben Paare und einige Einzelwölfe, sind es im noch laufenden Monitoringjahr bereits 23 Rudel, fünf Paar und Einzeltiere bestätigt. „Wir sind in der Anfangsphase der Ausbreitung“, begründet sie den exponentiellen Populationsanstieg.
Unter anderem aufgrund dieser Bestandszunahme wird auch immer häufiger über eine Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht diskutiert: Der Deutsche Bauernverband sagt dazu deutlich „ja“ und für Knut Falkenberg (LJV Sachsen) hat sich diese in Sachsen schon geschehene Maßnahme „bewährt“. Gerhard Adams aber vom Bundesumweltministerium (BMUB) sieht das ganz anders: Er sehe keinen Anlass den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen und betrachte es sogar mit Sorge, dass es in manchen Ländern diskutiert wird. Die Jägerschaft finanziere schließlich weder Ausgleichszahlungen noch Monitoring. Und „was die Jäger denn überhaupt quäle“ verstehe er sowieso nicht.
Ob Wölfe reguliert werden dürfen, hängt laut Prof. Rainer Wolf (TU Freiberg) von deren nationalen FFH-Einstufung ab und diese ist an einen (nicht grenzüberschreitenden) „günstigen Erhaltungszustand“ gebunden. Dr. Janosch Arnold vom WWF sieht beim Thema „Regulierung“ sowieso eher einen „schwarzen Peter“ für die Jägerschaft. Die grüne Zunft müsse aufpassen, dass diese „unliebsame Aufgabe nicht auf die Jäger abgewälzt werde“ und die eventuelle Wertung in der Gesellschaft bedenken.
Der Genetiker Dr. Carsten Nowak vom Senckenberg Institut äußerte sich auch zu den Themen „Kofferraumwölfe“, Hybridisierung und Inzucht. Sein Fazit: Der deutsche Wolfsbestand weise ein „typisches natürliches Ausbreitungsmuster“ auf.
Weitere Einzelheiten und Statements zur Wolfstagung in Berlin lesen Sie in der PIRSCH 8 (erscheint am 16. April).
MW

Einige Filmbeiträge mit Interviews von der Veranstaltung finden Sie hier.