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Schädling oder Superstar?

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Sonntag, 20.09.2015 - 02:10
Faszinierendes Schauspiel: Röhrender Rothirsch in der  Brunft in der Königsbrücker Heide. Foto: Gernot Engler © Gernot Engler
Faszinierendes Schauspiel: Röhrender Rothirsch in der Brunft in der Königsbrücker Heide. Foto: Gernot Engler

Zunächst waren es öffentliche Anprangerungen, dann kündigte der Staatsbetrieb Sachsenforst die Zusammenarbeit mit einer Hegegemeinschaft, nachdem die Förster erfolglos versuchten, deren Vorstand zu stürzen (wir berichteten hier). Die Kontroversen um den Umgang mit dem Rotwild im Erzgebirge durch Sachsenforst und dessen Jagdstrategie sind jetzt in eine neue Phase getreten. Um ihre Kräfte zu bündeln, gründeten die Hegegemeinschaften Oberes Vogtland, Tharandter Wald, Erzgebirge und Osterzgebirge die „Interessengemeinschaft Südsächsischer Hegegemeinschaften“. Ziel ist es, die Defizite in der Gesetzes- und Verordnungslage zur Jagd in Sachsen zu beseitigen. Wichtigste Forderungen: Pflichtmitgliedschaft aller Jagdbezirke in Hegegemeinschaften, Abschaffung der Sonderstellung von Sachsenforst und Festsetzung der Abschusspläne durch die untere Jagdbehörden im Einvernehmen mit der Hegegemeinschaft.
Besondere Empörung löste zuvor ein früheres Zeitungsinterview mit einem Forstbezirksleiter aus: Man wisse zwar nicht genau, wie viel Rotwild man habe, aber der Bestand sei zu hoch. Das würden Verbiss- und Schälschäden beweisen. Dafür sind laut den Jägern aber auch andere Faktoren wie Jagdruhe, Winterfütterung oder Tourismuslenkung verantwortlich.
Das letztere jedoch (zumindest werbestrategisch) eine Rolle spielt, beweisen derzeitige Führungen zur Hirschbrunft. Sachsenforst veranstaltet am 23. und 30. September, sowie am 7. Oktober kostenlose Abendwanderungen in die Zochauer Heide (Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide). Interessierte müssen sich telefonisch (035795 4990 140) anmelden. Eigentlich ist der Geweihte also ein Star – nur schade, dass er äsen muss.
Reinhard Schneider/BS