Home News Saufänge in Brandenburg – wo bleibt der Tierschutz

Saufänge in Brandenburg – wo bleibt der Tierschutz

Der Einsatz solcher Saufänge zur Bestandsreduzierung ist umstritten.


Auf seiner Homepage hat das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft (MLUL) Brandenburg einen Praxisleitfaden und ein Antragsformular für Schwarzwildfänge veröffentlicht. Grund dafür ist unter anderem die Afrikanische Schweinepest (ASP). Im Praxisleitfaden wird erklärt, der Fallenfang von Schwarzwild gehöre zur Anwendung aller verfügbaren Möglichkeiten, um die sehr hohen Schwarzwildbestände zu reduzieren. Die Fallenjagd auf Schwarzwild ist genehmigungspflichtig. Der Antrag beeinhaltet eine Begründung, diese kann unter anderem die Reduzierung einer überhöhten Schwarzwildpopulation oder Wildschadensabwehr sein. Auch die Wild- und Tierseuchenvorsorge oder Bekämpfung zählt zu den Gründen. Der Antragsteller muss erklären, sich an rechtliche Restriktionen und den Praxisleitfaden zu halten und die Falle nur aktiv auszulösen.

Schuss auf "Gehirnschädel"

Wer für die Erlegung des gefangenen Wilds eine Waffe mit einem Kaliber unter der eigentlich vorgeschriebenen Mindestgröße von 6,5 Milimeter nutzen möchte, kann dies im selben Zug beantragen. Auf Nachfrage der Redaktion erklärte eine Sprecherin der obersten Jagdbehörde, jeder, der außer dem Jagdschein auch die Erlaubnis eines Revierinhabers besitze, könne den Antrag stellen. Bislang lägen etwa 15 Anträge vor. Der Praxisleitfaden stellt verschiedene Fallensysteme und den Umgang mit diesen vor. Es wird die Anwendung einer Langwaffe im Kaliber .22 Win. Mag. emfohlen. „Der Schuss auf den Gehirnschädel ist in jedem Fall vorgeschrieben und zwingend!“, so der Leitfaden weiter. Die oberste Jagdbehörde bietet Informationsveranstaltungen zu Schwarzwildfang an, Antragsteller werden darum gebeten, an diesen Teilzunehmen. Helge von Giese, Pressesprecherin des Landesjagdverbands erklärte gegenüber der Redaktion, die Maßnahmen seien in der Jägerschaft stark umstritten. Man stelle in Frage, ob dies das Mittel der Wahl zur Reduktion der Schwarzwildbestände sei.

Auch Baden-Württemberg testet Saufänge

Auch in Baden-Württemberg sollen Saufänge installiert werden. Im Rahmen eines 12-Punkte Plans zur Prävention der ASP teilte das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz mit, dass an drei Stellen im Staatswald Saufänge in einem Pilotprojekt erprobt werden sollen. „Damit soll sichergestellt werden, dass im Bedarfsfall fundierte Erfahrungen für den wirkungsvollen und tierschutzgerechten Betrieb in Baden-Württemberg vorliegen. Im Fall einer tatsächlichen Bewährung in der Praxis, bei der neben wildbiologischen auch Tierschutzaspekte evaluiert werden müssen, kann ein landesweites Netz an Saufängen vorrangig im Staatswald etabliert werden, um daraus wichtige Erkenntnisse zum Management und zur Reduktion der Wildscheinpopulation zu gewinnen,“ so das Ministerium. Außerdem wird über den Einsatz von Nachtsichtvorsatzgeräten und einigen anderen jagdlichen und nicht jagdlichen Möglichkeiten nachgedacht. PM/SBA


Kathrin Führes geboren in Lingen, Jagdschein seit 2014, hat nach dem Abitur Forstwissenschaft an der TU München studiert und ist nun seit 2015 bei der PIRSCH.
Thumbnail