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Die Sauen und das Mädchen

"Mir geht es um die Tiere" begründete Lisa Tomaschewsky gegenüber jagderleben.de ihre Aktion und überließ uns dieses Bild, um auf ihr Anliegen hinzuweisen. Plakat: Lisa Tomaschewsky © Tomaschewsky Lisa

"Mir geht es um die Tiere" begründete Lisa Tomaschewsky gegenüber jagderleben.de ihre Aktion und überließ uns dieses Bild, um auf ihr Anliegen hinzuweisen. Plakat: Lisa Tomaschewsky

Insgesamt 17 Schuss gab die Hamburger Polizei auf ein in blinder Panik marodierendes Wildschwein ab - aus Protest dagegen zog sich Fotomodell Lisa Tomaschewsky aus.
Dieser Tag im März wird die Mitarbeiter einer Hamburger Consulting-Firma noch lange mit Gesprächsstoff versorgen: Gegen Abend zerbarst die Verglasung eines Bürofensters unter der Wucht einer dagegen anstürmenden Wildsau. Das Tier raste durch die Geschäftsräume, räumte Computer und Telefone von den Schreibtischen und geriet dabei noch mehr in Panik - genau wie die entsetzt flüchtenden Angestellten. In den Büros entstand ein Sachschaden in Höhe von 15 000 Euro.
Die Polizei versuchte, dass immer wieder gegen die Wände aus Sicherheitsglas prallende Wildschwein zu erlegen. Doch nach dreizehn Schuss aus einer Maschinenpistole lebte es noch immer. Vier weitere Schüsse aus einem eigens angeforderten Jagdgewehr waren nötig, um das mit Adrenalin vollgepumpte Tier endlich zu erlösen.
Die Sau gehörte zu einer Rotte von zwölf bis 14 Stück, die in Volksdorf, einem eher ruhigen Stadtteil im Nordosten Hamburgs, weiteres Chaos anrichteten. Wodurch die Tiere derart in Panik gerieten, ist unbekannt. Fünf Sauen versuchten, über den nur noch leicht überfrorenen Allhornsee zu entkommen. Drei von ihnen brachen ein und ertranken. Sie wurden von Rettungskräften geborgen. Die zwei Überlebenden stürmten über stark befahrene Straßen davon, eines dieser zwei Schweine endete dann in dem Bürogebäude.
Etwa eine Stunde später tauchten acht Tiere aus der Rotte in der Volksdorfer U-Bahn-Station Buchenkamp auf. Als sie das Gleisbett überquerten, wurde eines der Tiere angefahren. Das bei dem Zusammenstoß schwer verletzte Wildschwein musste ebenfalls erschossen werden. Während der Bergungsarbeiten blieb der Fahrstrom für mehr als eine Stunde abgestellt.

Nackter Protest<br><p>

Aus Protest gegen die „Todesschüsse“ der Hamburger Polizei enthüllte sich Fotomodell und Schauspielerin Lisa Tomaschewsky aus Glückstadt (Landkreis Steinburg) für den guten Zweck: „Auch eine WILDE SAU braucht IHREN Lebensraum“, ist auf einem Plakat zu lesen, das die 21-jährige hüllenlos zeigt. Sie wolle ein Zeichen in Sachen Tierschutz setzen, verriet sie dem Schleswig-Holsteiner Zeitungsverlag (SHZ). Sie sei entsetzt, dass ein Tier so in Panik versetzt und dann mit 17 Schuss einfach drauflos geballert werde. „Hätte man statt des Jagdgewehrs nicht ein Betäubungsgewehr anfordern können und das Wildschwein im Wald wieder aussetzen können?“, fragt Lisa Tomaschewsky.
Die Hamburger Polizei wies die Vorwürfe des Models indes zurück: Es sei Gefahr im Verzug gewesen, Menschenleben waren in Gefahr, erklärte Polizeisprecher Andrea Schöpflin. „Da könne man nicht warten, bis einer mit einem - im übrigen gar nicht so leicht zu besorgenden - Betäubungsgewehr vorbeikommt“, sagte Schöpflin gegenüber dem SHZ. SE