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Rotwild reagiert auf Wölfe

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Mittwoch, 17.08.2016 - 16:26
Rotwild bildet große Rudel, sobald es mit Wölfen konfrontiert ist. Foto: EM © EM

Großrudel mit bis zu 120 Stück Rotwild sind bereits tagsüber in der Feldflur unterwegs, seit ein Wölfe in der Annaburger Heide leben und jagen. Wo liegt das Problem?, könnte man einwenden. Die Antwort lautet: Bei den Wildschäden!
Solche Rudel putzen in nur wenigen Stunden richtig was weg. Ehe die Rückkehr der Wölfe vorherzusehen war, haben sich viele Jagdpächter per Jagdpachtvertrag aber dazu verpflichtet, für Wildschäden aufzukommen. Die Bedingungen haben sich inzwischen grundlegend geändert. Die laut Gesetz langfristig abzuschließenden Verträge gelten jedoch weiter, und so kommt es für die Jäger zu starken finanziellen Belastungen. Darauf hat der Landesjagdverband (LJV) Brandenburg jetzt in einer Presseaussendung hingewiesen.
Anlass war das Schreiben eines Jagdvorstehers, der sich mit einem Hilferuf ans zuständige Landwirtschaftsministerium gewandt hat: „Trotz erhöhter Aktivität schaffen es unsere Jäger kaum noch, die Schäden in erträglicher Höhe zu halten“, schrieb Dorsten Höhne dem Minister Jörg Vogelsänger. Und dabei machte er klar, dass man in Züllsdorf (Landkreis Elbe-Elster) mehr erwarte, als die von Euphorie geprägte Wolfskampagne der Vergangenheit.
Diese Hoffnung wurde jedoch enttäuscht. Wie der LJV mitteilt, kam die Antwort nicht einmal vom Minister, sondern von einem Referatsleiter. Inhalt: Vertröstungen und wenig hilfreiche Ratschläge wie jener, dass es sinnvoll erscheine, "wenn sich die Jäger mit ihrem Jagdregime auf die Anwesenheit der Wölfe einstellen."
Beim Landesjagdverband reagiert man entsprechend verärgert: „Dieser Umstand zeigt eindrucksvoll, dass hier einmal mehr Politik gegen die betroffenen Bewohner im ländlichen Raum gemacht wird. Die Leute, die täglich mit dem Wolf umgehen müssen, werden im Regen stehen gelassen“, so Präsidiumsmitglied Udo Appenzeller.
Die Jägerschaft will daher jetzt endlich eine Diskussion darüber in Gang setzen, wie viele Wölfe Brandenburg ertragen kann und will. Eine unbegrenzte Ausbreitung sei realitätsfern und sorge im ländlichen Raum für rapide sinkende Toleranz gegenüber dem Großraubtier, heißt es in einer Stellungnahme dazu.
PM/RJE