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Rehe als Schädlinge betrachten?

Bast-Böcke aufgepasst: In Brandenburg könnte es bald "Feuer frei!" heißen. Foto: Erich Marek © Erich Marek

„Wir betrachten das neue Gesetz mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagte Georg Baumann, Geschäfts des Landesjagdverbandes Brandenburg (LJVB) im Gespräch mit jagderleben. Positiv bewerte man den Wegfall des Rehwild-Abschussplanes. Seriöse Bestandsschätzungen bei dieser Wildart seien ohnehin kaum möglich. Auch könnten ihn die zuständigen Behörden aufgrund der vielen Reviere kaum kontrollieren. „Jetzt liegt die Verantwortung bei den Pächtern und Waldbesitzern, den wirklich Betroffenen“, so Baumann. Diese könnten so wie so die Verhältnisse vor Ort am besten beurteilen. Eine ähnliche Regelung wünscht sich der Verband auch fürs Schwarzwild.
Weniger erfreut zeigt sich die Jägerschaft über die Ermächtigungsgrundlage für Minister Jörg Vogelsänger (SPD), Jagdzeiten abweichend vom Bundesjagdgesetz verlängern und nach Jagdarten unterscheiden zu dürfen (zuvor konnte er die Jagdzeiten nur verkürzen). Er muss dafür den zuständigen Ausschuss informieren. Ob dieser zustimmt oder ablehnt ist dabei vollkommen egal. Der LJVB teilt mit, dass der Gesetzgeber eine entsprechende Durchführungsverordnung für die verlängerte Jagdzeit auf den Rehbock wohl recht zeitnah verfügen wird. Von dieser Verlängerung erhofft sich der Gesetzgeber mehr Reh-Abschüsse, wodurch der Waldbau profitabler werden soll.
„Wir fürchten, dass diese Regelung einer geistigen Haltung Vorschub leistet, die Rehe als Schädlinge betrachtet,“ kritisiert LJVB-Präsident Dr. Wolfgang Bethe. Daraus ergebe sich eine Jagdzeit für Böcke von acht bis neun Monaten. Dem gegenübergestellt beträgt die für weibliche Stücke fünf Monate. Das führe dazu, dass in Zukunft mehr Böcke geschossen werden. Bethe: „Wenn wir den Bestand reduzieren wollen, müssen wir die Weiblichen schießen. Böcke kriegen nun mal keine Kitze.“ Jetzt liege es in der Hand der Jägerinnen und Jäger, wie mit den neuen Möglichkeiten umgegangen werde. Der LJVB bedauert, dass seine Einwände in diesem Punkt nicht berücksichtig wurden. Weiter betont er, dass man sich zu einer „scharfe Bejagung“ in Gebieten mit erhöhten Beständen bekenne. Das wäre aber auch mit den derzeitigen Jagdzeiten möglich gewesen.
BS/PM