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Rehbock verheddert sich in Vogelschutzzaun

Ob die Stromstöße, Stress oder beides den Bock getötet haben ist unklar. Foto: Thorsten Stark


Gut gemeint ist eben nicht immer auch gut gemacht, wie das tragische Ende eines Rehbocks in einem zu Vogelschutzzwecken errichteten Maschenzaungeflecht im Revier Freinhausen (Oberbayern) zeigt. Die unter Strom gesetzte Konstruktion sollte den Brutplatz eines Großen Brachvogels schützen, wurde jedoch dem Rehbock im wahrsten Sinne des Wortes zum Verhängnis. PIRSCH-Leser Herbert Sauermann hatte den gut veranlagtenZweijährigen verendet in seinem Revier vorgefunden. Die "Schrobenhausener Zeitung" hat anschließend groß über den Vorfall berichtet. Gegenüber seiner Heimatzeitung äußerte der Jagdpächter den Verdacht, dass das Tier wohl über eine längere Zeit hinweg neben der Panik auch die Stromstöße ertragen musste, ehe es zu Grunde ging.
Aufgebaut hatte das rund 20 x 20 Meter große Geviert aus Elektromaschenzaun die Kreisgruppe Pfaffenhofen des Landesbund für Vogelschutz (LBV). Deren Vorsitzender äußerte gegenüber der Presse sein Bedauern wegen des Vorfalls; damit habe man nicht gerechnet. Es sind noch zwei weitere Einrichtungen dieser Art in der Region im Betrieb. Der LBV beabsichtigt damit, Füchse und andere Fressfeinde von den Gelegen der Brachvögel fern zu halten, um deren Bruterfolg zu sichern. Dieses Ziel ist sicher ehrenwert, hat jedoch gerade für Jäger in mehrerlei Hinsicht einen bitteren Beigeschmack:
Erstens werden Eingriffe zugunsten jagdbarer Tierarten (Stichwort Winterfütterung, Verbissschutz) von Naturschützern meist mit dem Hinweis auf das "natürliche Gleichgewicht im Ökosystem" abgelehnt. Zweitens protestieren Natur- und Tierschützer regelmäßig gegen effektiven Bejagungsmethoden (Falle, Bodenjagd) beim Raubwild. Die unternommenen (künstlichen) Anstrengungen zum Schutz der Großen Brachvögel durch den LBV zeigen jedoch, dass eine konsequente Raubwildbejagung in unserer Kulturlandschaft gerade auch für viele nicht jagdbare Arten (über)lebenswichtig sein kann. Vielleicht gelangt diese Tatsache durch das tragische Ende des Rehbocks wieder mehr ins Bewusstsein und Vogelschützer und Jäger stehen in dieser Frage in Zukunft näher zusammen. RJE