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Radfahrer verletzt – Jägern droht hohe Schmerzensgeldzahlung

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Kathrin Führes
am
Samstag, 18.01.2020 - 16:08
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Bei einer Radfahrt verletzte sich der Mountainbike-Fahrer schwer (Symbolbild).

Der Unfall liegt schon mehrere Jahre zurück und beschäftigt nun den Bundesgerichtshof. Am 15. Juni 2012 fuhr ein Bundeswehroffizier mit seinem Mountainbike eine Radtour in der Umgebung von Hamburg. Er hatte sich vorab über die, für ihn unbekannten Örtlichkeiten informiert. Der Mann befuhr dabei einen Feldweg, der als Sackgasse in einem Waldstück endete. Nach ungefähr 50 Metern befand sich auf dem Feldweg eine Absperrung, die aus zwei in der Mitte des Weges aufgestellten vertikalen bis zum Boden reichenden Holzlatten, an denen ein Sperrschild für Kraftfahrzeuge befestigt war, bestand. Zwischen den Holzlatten verliefen zwei waagerechte Stacheldrähte in einer Höhe von 57 und 91 cm, so der Bundesgerichtshof in einer Pressemitteilung.

Absperrung mit Zustimmung der Gemeinde

Die Absperrung war Ende der 1980er Jahre mit Zustimmung der Gemeinde durch den damaligen Jagdpächter errichtet worden. Der damalige Bürgermeister hätte die Absperrung regelmäßig kontrolliert. Die beklagten, jetzigen Jagdpächter übernahmen das Revier bereits mit der Absperrung und nutzten den Feldweg regelmäßig, um zu einer Wildwiese zu gelangen.

Radfahrer nach Unfall querschnittsgelähmt

Der Radfahrer nahm die Sperrung zu spät wahr und konnte trotz einer Vollbremsung eine Kollision nicht mehr vermeiden. Er trug schwere Verletzungen davon und ist heute unterhalb des vierten Halswirbels querschnittsgelähmt. Er ist seit dem Unfall hochgradig pflegebedürftig und bedarf einer lebenslangen Weiterbehandlung.

Über 1.000.000 Euro werden gefordert

Der Kläger verlangt von den den beiden Jagdpächtern sowie von der Gemeinde ein Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 500.000 Euro, die „Feststellung der Ersatzpflicht bezüglich materieller und immaterieller Schäden aus dem Unfall“ sowie die Erstattung von außergerichtlichen Rechtsanwaltskosten. Die Bundesrepublik Deutschland verlangt, da der Mann Bundeswehroffizier war, zudem einen Ersatz der Ausgleichszahlungen und Versorgungsbezüge in Höhe von 582.730,40 Euro. Die Kläger machen geltend, dass sowohl die Gemeinde als auch die beiden Jagdpächter ihre Verkehrssicherungspflichten verletzt hätten.

Laut der „Deutschen Presse Agentur“ zeichnete sich am Bundesgerichtshof ab, dass die Karlsruher Richter die Hauptschuld bei der für den Weg verantwortliche Gemeinde sowie den beiden Jagdpächtern sehen. Das Urteil soll am 2. April verkündet werden, bis dahin sollen die Parteien jedoch über einen Vergleich verhandeln.