Home News Parasit bei Wildschwein entdeckt – auch auf Menschen übertragbar

Parasit bei Wildschwein entdeckt – auch auf Menschen übertragbar

Eva Grun mit Drahthaar. © Laura Grun
Eva Grun
am
Sonntag, 30.08.2020 - 07:37
Wildschwein-Wiese © manu BESSON - stock.adobe.com
Bei einem Wildschwein wurde der Duncker‘sche Muskelegel festgestellt.

Vor kurzem wurde bei einem erlegten Wildschwein im Landkreis Görlitz (Sachsen) der „Duncker‘sche Muskelegel“ (DME) entdeckt. Den Befall mit dem Parasit entdeckte man während der Trichinenuntersuchung. Der Erleger musste das Stück Schwarzwild daraufhin verwerfen. Gegenüber der Redaktion teilt der Jäger mit, dass im Landkreis seit Anfang des Jahres mit Abgabe der Trichinenprobe auch auf DME sowie auf Afrikanische Schweinepest untersucht wird. Die Pressestelle des Landkreises erläutert dazu, dass "Proben aus verdächtigen Ansätzen, die während der routinemäßigen Trichinenuntersuchung festgestellt werden, (…) in einem zweiten Laboruntersuchungsverfahren mit einem von der Universität Leipzig entwickelten Larvenauswanderungsverfahren nachuntersucht" werden. Es handle sich nicht um einen Einzelfall – das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt erhebe häufiger den Befund DME.

4,7 Prozent der Wildschwein-Proben waren positiv

Bei dem Duncker‘schen Muskelegel handelt es sich um ein Zwischenstadium des Saugwurms „Alaria alata“. Der Saugwurm ist ein Darmparasit bei Fleischfressern, wie Hund, Katze oder Fuchs, dessen Eier mit dem Kot ausgeschieden werden. Die weitere Entwicklung zu Mesozerkarien erfolgt über zwei Zwischenwirte – Süßwasserschnecken und Frösche. Werden diese dann von sogenannten „Stapelwirten“ wie Wildschweinen aufgenommen, befallen die Entwicklungsstadien des Parasits die Muskulatur oder benachbarte Organe. In einem Stapelwirt findet keine Weiterentwicklung zum geschlechtsreifen Saugwurm statt. Laut dem Zoonosen-Monitoring 2015 vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wurden bei 4,7 Prozent der Wildschwein-Proben (N=950) DME festgestellt. „In den Ländern, die eine höhere Zahl an Proben untersucht haben, wurde der Duncker’sche Muskelegel mit einer Häufigkeit von 0,8% bis 8,4% nachgewiesen“, so das BVL weiter.

Bundesamt verweist auf Hitzbehandlung von Wildfleisch

Infiziert sich ein Mensch mit Mesozerkarien wird von einer „larvale Alariiose“ gesprochen. „Klinisch äußert sie sich dementsprechend in respiratorischen Symptomen, Neuroretinitis, subkutane Granulomen oder als systemische Erkrankung, die mitunter tödlich enden kann“, so das Bundesamt für Risikobewertung (BfR). Ein Sprecher des BfR verweist auf eine ausreichende Hitzebehandlung des Wildbrets. Für mindestens zwei Minuten solle die Temperatur im Inneren 72 Grad erreichen. Dadurch werde der Parasit abgetötet. Das Risiko von DME bewertet der Sprecher allerdings als „gering“.


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