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Neuseeland keult Tahr-Bestände aus Helikoptern heraus

Crossmedia-Redakteur der dlv-Jagdmedien, verantwortet das Magazin "Bergjagd". Hat Forstwissenschaften an der TU München und Wildtierökologie an der BOKU Wien studiert. © Robin Sandfort
Martin Weber
am
Montag, 20.07.2020 - 16:46
Himalaya-Tahr © taraspolatayko – stock.adobe.com
Der Himalaya Tahr wurd 1904 in Neuseeland ausgewildert.

Auf der Südinsel Neuseelands hat die dortige Regierung am 16. Juli damit begonnen, einen Teil der Tahr-Bestände vom Helikopter aus zu erschießen. Vorrangig betrifft es Areale der Nationalparke Aoraki/ Mount Cook und Westland Tai Poutini und angrenzende öffentliche Ländereien. Wie der Homepage des DoC (Departement of Conservation, vergleichbar mit unserem Umweltministerium) zu entnehmen ist, sind 60 „Flugstunden“ in den Nationalparks und 65 Stunden außerhalb der Parks geplant. Ziel sind vor allem männliche Tahr, die offenbar erschossen in den Bergen belassen werden.

Die Aktion beruft sich auf dem sogenannten Himalayan Tahr Control Plan aus dem Jahr 1993. Laut der „New Zealand Tahr Foundation“, die eine Art Lobbygruppierung für die Tahr darstellt, wurde man nach einem entsprechenden Gerichtsurteil eine Woche zuvor über den Zeitplan nur so kurz vorab informiert, dass keine Chance mehr Bestand, Einspruch zu erheben: Das DoC schaffte Fakten.

Starke negative Einflussnahme

Hintergrund der ganzen Aktion ist eine befürchtete starke negative Einflussnahme von großen Huftieren auf die Pflanzenwelt Neuseelands durch Fraß- und Trittschäden, sowie eine Eutrophierung durch Losung und Urin. Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen der Welt gab es aufgrund der Millionen Jahre langen Isolation auf Neuseeland keine Huftiere, bis der Mensch begann Rot-, Schwarz-, Dam-, Gamswild und die Tahr auszuwildern. Auf Grundlage eines Monitorings geht das DoC von ungefähr 34.500 wildlebenden Tahr auf Staatsflächen aus (Stand Herbst 2019). Ziel ist es, den Bestand auf maximal 10.000 Tiere zu reduzieren, sie an der Ausweitung ihres Verbreitungsgebiets zu hindern und Nationalparke Mount Cook und Westland Tai Poutini National Park Tahr-frei zu bekommen. Von Juli 2019 bis Ende Februar 2020 waren bereits 12.000 Tahr entnommen worden.

Die 2016 ins Leben gerufene Tahr-Foundation ist ein Zusammenschluss aus Jagdorganisationen, die sich gegen die starke Reduktion bzw. gegen die Auslöschung der Tahrbestände auf der Südinsel Neuseelands einsetzt. Man vertritt die Ansicht, sowohl die Tahr als auch die alpine Vegetation durch ein jagdliches Management erhalten zu können. Zudem befürchtet man massive ökonomische Auswirkungen für den stark ausgeprägten Jagdsektor Neuseelands.

Der Himalya Tahr gehört zu den Ziegenartigen und wurde 1904 in den neuseeländischen Alpen eingebürgert. 


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