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Neue Biberverordnung Brandenburg – „Dokument des Misstrauens“

Hannah Reutter. © Hannah Reutter
Hannah Reutter
am
Samstag, 28.03.2020 - 14:58
Der Entwurf einer neuen Biberverordnung in Brandenburg verärgert die Interessensverbände. © Natureimmortal - stock.adobe.com
Der Entwurf einer neuen Biberverordnung in Brandenburg verärgert die Interessensverbände.

Es wirkt wie ein panischer Schnellschuss: Am Donnerstag fragte die Märkische Oderzeitung kritisch in einem Artikel, wo denn die Biberverordnung in Brandenburg bleibe. Die aktuelle Verordnung, mit der die Landnutzer weitestgehend zufrieden waren, läuft zum 31. März aus. Prompt wurde am späten Donnerstagnachmittag vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz in Brandenburg ein Entwurf der neuen Verordnung an die Verbände geschickt. Nur wenig später wurde auch eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der betont wurde, dass aufgrund der Corona-Krise ein persönliches Gespräch mit den zuständigen Verbänden nicht möglich gewesen sei, die Schlussfassung den Beteiligten nun allerdings schriftlich zuginge. Der Entwurf sei "nach breiter Beteiligung von Landnutzungs- und Umweltverbänden" entstanden.

Praktikabilität geht verloren

Doch eben jene Verbände wissen davon nichts und kannten nach eigener Aussage diesen Entwurf nicht. Das Forum Natur Brandenburg, der „Dachverband“ des ländlichen Raums in Brandenburg, nennt den Entwurf ein „Dokument des Misstrauens“. Es sei nichts an der Praktikabilität optimiert worden. Die gängige Praxis war bislang, dass auf Grundlage der Verordnung beauftragte Jäger die Biber eigenständig fangen und entnehmen durften und nicht wie in anderen Bundesländern (z.B. Bayern) über einen langen Antragsweg jeden Abschuss separat genehmigen lassen mussten.

Verwertung verboten

Gregor Beyer, Geschäftsführer des Forum Natur, betont im Gespräch mit der Redaktion, dass durch die bisher geltende Verordnung „eine Situation des praktikablen "Rechtsfriedens"" geschaffen wurde. Nun soll vor jedem Abschuss jeweils eine Genehmigung bei der vor Ort zuständigen Unteren Naturschutzbehörde eingeholt werden. Bislang wurden Abschüsse in den entsprechenden Gebieten nach dem Abschuss unverzüglich gemeldet.

Gerade in den Bereichen des Oderbruchs spielt die Kontrolle der Biberbestände eine große Rolle. Im Falle einer Zerstörung der Deiche durch die Tiere kann es sonst zu heftigen Überschwemmungen kommen.

„Ganz unabhängig vom Inhalt der Biberverordnung läuft dem Minister hier das dialogorientierte Verfahren vollkommen aus dem Ruder. Mit mehr Misstrauen in die vor uns stehenden Gesetzesvorhaben konnte man gar nicht starten“, so Dr. Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbands Brandenburg

Die Verwertung der erlegten Tiere soll im Gegensatz zu anderen Bundesländern (z.B. Bayern) weiterhin verboten bleiben. Gerade in Ländern Nord- und Osteuropas wird Biberfleisch als Delikatesse verzehrt und auch der dichte Balg ist äußerst beliebt.