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NDR zieht den Kürzeren

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Sonntag, 06.07.2014 - 02:10
Ausschnitt aus der Mediathek: Von dem besagten Beitrag gibt es nur noch eine Vorschau. Foto: ndr.de © ndr.de
Ausschnitt aus der Mediathek: Von dem besagten Beitrag gibt es nur noch eine Vorschau. Foto: ndr.de

Ostfriesland im April 2013. Ein älterer Herr radelt mit seinem Fahrrad am Deich entlang. Er ist Jäger. Von der Deichkrone ruft ihm auf einmal ein regional bekannter Jagdgegner wahrheitswidrig zu, der Staatsanwalt ermittle wegen verbotener Jagd auf Gänse im Nebel und habe auch den Jäger vorgeladen. Nach einem kurzen heftigen Disput fährt der Jäger weiter. Was er nicht weiß: Die Auseinandersetzung war von einem Filmteam des "Norddeutschen Rundfunks" (NDR) gefilmt worden. Am 14. 10. 2013 strahlte der NDR den Beitrag „Waidmannsheil – Jägern auf der Spur“ aus. Darin kamen ausführlich Jagdgegner zu Wort. Auch die Auseinandersetzung des Jagdgegners mit dem radelnden Jäger. Die schlecht recherchierte Sendung mit einer überwiegend tendenziösen, negativen Darstellung von Jagd und Jägern führte landesweit zu Protestbriefen und Eingaben gegenüber dem NDR.
Der Jäger aus Ostfriesland, der so unversehens zu einer landesweiten „Berühmtheit“ wurde, wollte es nicht auf sich sitzen lassen, vor laufender Kamera von einem bekannten Jagdgegner wahrheitswidrig der rechtswidrigen Jagdausübung bezichtigt zu werden. Er forderte deshalb den NDR auf, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben, damit diese Sendung nicht wieder ausgestrahlt wird. Das hat der NDR abgelehnt. Deswegen hat der Jäger den Norddeutschen Rundfunk verklagt.
Das Landgericht Hannover hat kürzlich über die Klage verhandelt. Schon zu Beginn der mündlichen Verhandlung machte das Gericht deutlich, dass der NDR das Persönlichkeitsrecht des Jägers verletzt habe. Es sei unzulässig gewesen, den Jäger ohne sein Wissen und ohne seine Zustimmung zu filmen und seinen Disput mit dem Jagdgegner aufzunehmen, besonders wenn die Behauptungen des Jagdgegners wahrheitswidrig seien. Es legte dem NDR daher dringend nahe, die Unterlassungserklärung sofort abzugeben, um ein Urteil gegen den Sender zu vermeiden. Dem hat sich der NDR noch in der Sitzung gebeugt und sich verpflichtet, die Sendung „45 Minuten – Waidmannsheil – Jägern auf der Spur“ nicht mehr auszustrahlen, soweit der Jäger darin in Wort und/oder Bild auftritt. Für den Fall der Zuwiderhandlung hat er sich zu einer Vertragsstrafe verpflichtet und er trägt den weit überwiegenden Teil der Verfahrenskosten.
Clemens H. Hons, Rechtsanwalt in Hannover