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Nachhaltige Auslandsjagd: Wie Jagdtourismus Naturschutz fördert

Phil Kahrs © Phil Kahrs
Phil Kahrs
am
Freitag, 29.04.2022 - 10:25
Jäger in Afrika © ©Oleg Elagin - stock.adobe.com
Der Jagdtourismus trägt einen wesentlichen Anteil zu der finanziellen Unterstützung verschiedener Natur- und Tierschutzprojekte in Afrika bei.

PIRSCH: Was ist allgemein unter Trophäenjagd zu verstehen?

Dr. Rolf Baldus: Jeder Mensch jagt aus unterschiedlichen persönlichen Beweggründen heraus. Naturerleben steht bei den meisten Jägerinnen und Jägern an erster Stelle. Viele nennen auch das Wildbret ganz vorne. Die Trophäe ist ein Erinnerungsstück, und da ist auch gar nichts gegen zu sagen, wenn sich jemand an einer waidmännisch erbeuteten Trophäe freut. Dennoch kann Jagd nicht auf die Trophäe reduziert werden. Die Auslandsjagd mit Trophäenjagd gleichzusetzen, führt auf eine falsche Fährte.

PIRSCH: Worin unterscheidet sich die Jagd in Deutschland zum Jagdtourismus im Ausland?

Dr. Rolf Baldus: Jägerinnen und Jägern geht es genauso wie nicht-jagenden Menschen: Sie reisen gerne und erkunden ihnen unbekannte Orte, Menschen, Kulturen und Wildtiere. Fremde Länder und Reviere bieten uns Jagderleben, das wir zu Hause so nicht erfahren können: Unberührte Natur statt Kulturlandschaft, neue Wildarten, gefährliches Großwild, eine andere Jagdkultur.

PIRSCH: Warum ist ein solcher Jagdtourismus wichtig?

Dr. Rolf Baldus: Wichtig ist er nur, wenn er den Menschen und der Natur in den Gastländern etwas bringt, und das tut er. Jagdtourismus erwirtschaftet höhere Erträge pro Flächeneinheit als jede andere Form der Wildnutzung, sehen wir einmal vom umweltschädlichen Massentourismus in einigen berühmten Nationalparks ab. Er setzt Wild in Wert und das kann Natur erhalten. Überall in Entwicklungsländern stehen heute unterschiedliche Nutzungen von Land in Konkurrenz miteinander. Wenn Wild keinen Wert hat, dann findet eine andere Nutzungsform statt, und in aller Regel verschwindet dann das Wild. Das ist heute zwar Allgemeinwissen, aber die Jagdgegner bestreiten es systematisch.

PIRSCH: Welche Naturschutzprogramme können so gefördert werden?

Dr. Rolf Baldus: Die Kompensation von Nutzungsverlusten, die durch Wildschutz entstehen, und die Finanzierung des praktischen Naturschutzes sind die großen Themen im Hinblick auf die Auslandsjagd. Nationalparks sind chronisch unterfinanziert. Ihr Unterhalt und der Schutz des Wildes sind kostenintensiv: 200 bis 1.000 Euro pro 100 Hektar und Jahr. Die Jagd generiert einen Teil der notwendigen Mittel. Auch der Artenschutz gefährdeter Wildtiere, z.B. der Nashörner, wäre ohne Jagd nicht zu finanzieren.

PIRSCH: Welche Vorteile ergeben sich für die lokale Bevölkerung?

Dr. Rolf Baldus: Die Schutzziele für die Nationalparks und Reservate decken sich nicht immer mit den Interessen der ansässigen Bevölkerung. Im Übrigen zerstören wilde Tiere Felder und Ernten, verletzen und töten Menschen. Ich habe großen Respekt davor, dass die arme ländliche Bevölkerung in Afrika dennoch dieses Wild - in Grenzen - toleriert. Die langjährige Erfahrung zeigt, dass es sinnvoll ist, die örtliche Bevölkerung mit in die Schutzprogramme und auch die Wildnutzung, sprich die Jagd, einzubinden. Die Nutzung der geschützten Gebiete muss auch ihnen zugutekommen. In zahlreichen Ländern wird ein nicht unerheblicher Teil des Erlöses aus dem Verkauf von Jagdlizenzen der ansässigen Bevölkerung zuteil. Erfolgsgeschichten, wie die Rettung der Markhor-Schraubenziege in Pakistan und Tadschikistan, waren nur möglich, weil man eine kontrollierte Jagd durch Ausländer einführte und der allergrößte Teil der Einnahmen vor Ort in den armen Kommunen verblieb.

PIRSCH: Wird das Wildbret erlegter Trophäenträger verwertet?

Dr. Rolf Baldus: Ich kenne keine Fälle, wo es verloren geht. Als ich letztes Jahr in der Nyae Nyae Conservancy in Namibia gejagt habe, wurde jedes Stück Wildbret geborgen und in die Dörfer abtransportiert und verteilt. So ist es bei seriösen Jagdanbietern überall auf der Welt üblich.

PIRSCH: Was halten Sie von Importverboten von Jagdtrophäen?

Dr. Rolf Baldus: Nichts. Sie sind weder notwendig noch sinnvoll. Sie würden zu ganz erheblichen Rückgängen des Wildes führen. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) bietet seit über 50 Jahren ein weltweites Kontrollsystem für gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Hinzu kommen weiter gehende EU-Regelungen. Beide Systeme regeln unter anderem, welche Tierarten nicht kommerziell genutzt werden dürfen. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass Nutzungsverbote auch bei seltenen oder gefährdeten Tierarten nicht sinnvoll oder sogar kontraproduktiv sein können. Dementsprechend wurde bei CITES schon frühzeitig eine Jagdresolution verabschiedet. Nach dieser dürfen auch ansonsten geschützte Tiere dann bejagt werden, wenn dies dem Erhalt und Schutz der Population dient.

PIRSCH: Gibt es Aspekte an der Auslandsjagd, die sie kritisieren?

Dr. Rolf Baldus: Die zentrale Herausforderung heißt Nachhaltigkeit bei der Jagdausübung: Zu hohe Abschussquoten; Wildhüter, die bei Jagdvergehen ein Auge zudrücken; Korruption; die Liste der Mängel ließe sich fortsetzen. Stattdessen müssen gute Rahmenbedingen gesetzt werden: Transparenz; Rechtsstaatlichkeit; eine effiziente Organisation der Jagd- und Naturschutzbehörden; ein jagdliches Monitoring; die Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse usw.

PIRSCH: Was wünschen Sie sich von Deutschlands Jägerinnen und Jägern?

Dr. Rolf Baldus: Erstens, dass viele von ihnen nach Afrika oder Zentralasien reisen, um dort zu jagen. Zweitens, dass die Besucher der Messe Wild und Hund nicht die billigsten Jagden suchen, sondern Jagdangebote buchen, die nachhaltig, ethisch einwandfrei und in den Naturschutz eingebunden sind. Drittens, dass sie den Kampf gegen Jagdverbote auch finanziell unterstützen: zum Beispiel die gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit von DJV und CIC, um den Jagdgegnern die mediale Lufthoheit zu nehmen.

Dr. Rolf D. Baldus hat viele Jahre in der internationalen Entwicklungshilfe gearbeitet, 13 Jahre davon im praktischen Wildschutz in Tansania. Der Autor zahlreicher Publikationen zur Jagd und zum Naturschutz hat gerade die Erinnerungen des ersten Wildhüters im tansanischen Selous Wildreservat als Buch veröffentlicht: „Bill Harvey: Porini - In the Wilderness“. 270 Seiten, zahlreiche Illustrationen. Hardcover. In englischer Sprache. Preis: 35 € + 2,75 € Porto. Erhältlich unter rolfbaldus@t-online.de.


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