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Die Mitleids-Dublette

Alttier-Kalb-Dublette: Nach Auffassung von einigen Wildbiologen aus Tierschutzsicht das Optimum. Foto: M. Meyer © M. Meyer
Alttier-Kalb-Dublette: Nach Auffassung von einigen Wildbiologen aus Tierschutzsicht das Optimum. Foto: M. Meyer © M. Meyer

Alttier-Kalb-Dublette: Nach Auffassung von einigen Wildbiologen aus Tierschutzsicht das Optimum. Foto: M. Meyer

Zu Beginn wird klargestellt, dass jagdliche Eingriffe in Schutzgebieten nur dann stattfinden sollen, wenn es zwingend erforderlich ist. Diese müssten dann so störungsarm wie möglich erfolgen. Insbesondere sei bei der Jagd auf Rotwild wichtig, dass „keine Zeugen hinterlassen“ werden, erklärte Friedrich Burghard, zuständig für das Wildtiermanagement im NP, gegenüber jagderleben. Für den Wildtierforscher sei nach eigener Auskunft der Tierschutz und die Waidgerechtigkeit das wichtigste bei der Jagd. Im Zuge von Telemetrie-Projekten habe er beobachten können, wie traumatisiert Alttiere auf den Verlust ihrer Kälber reagieren würden: „Das sind zum Teil herzzerreißende Bilder.“ Der Idealfall seien daher Alttier-Kalb-Dubletten. Doch für diese Eingriffe ist die jagdliche Infrastruktur im dem Nationalpark nicht brauchbar. Deshalb wird nun zu besagten Synchrondubletten geraten: Zwei Jäger auf einem Hochsitz erlegen auf „Drei“ Alttier und Kalb.
Das besagte Infoblatt zu dieser Methode wurde bei einer Fortbildung, die sich mit diesem Thema befasst hatte, an die Teilnehmer gegeben. „Bei der Veranstaltung hat sich gezeigt, dass sich 80 Prozent der Jäger nicht eignen“, so Burghard. Die Gruppeneinteilungen erfolgen nach Können und Nervenstärke und auf keinen Fall nach persönlichen Neigungen. Sollte der Doppelschussversuch abgebrochen werden müssen (beginnendes Wechseln o.ä.), sagt der Gruppenführer anstatt der Ziffer „Zwei“ das Wort „Stopp“. Burghard: „Wir haben die Synchrondublette zweimal in der Praxis durchgeführt und das war absolut erfolgreich.“ Wichtig sei, dass man sich strikt an die Bedingungen halte, wie zum Beispiel in puncto Schussentfernungen. „Geht es über die 50-Meter-Marke ist Schluss.“ Daher sei auch die Verwendung von Entfernungsmessern vorgeschrieben. Ebenso deutlich steht in den Bedingungen, dass das Anwenden der Dublette nur auf einer absolut freiwilligen Basis stattfinden darf. Auf dem Abschussplan des NP stehen übrigens jährlich 149 Stück Kahlwild.
BS