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Minister gratuliert neuem Präsidenten

Ein Handschlag, aber noch kein Schulterschluss: LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg (li.) mit Minister Johannes Remmel. Foto: FM © FM

Ein Handschlag, aber noch kein Schulterschluss: LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg (li.) mit Minister Johannes Remmel. Foto: FM


Bei nur drei Gegenstimmen und drei Enthaltungen übernahm der Leverkusener Rechtsanwalt das Amt von seinem Vorgänger Jochen Borchert, der zum Ehrenpräsidenten gekürt wurde. Zu den Gratulanten auf dem anschließenden Landesjägertag in Düsseldorf gehörte auch Landesumweltminister Johannes Remmel.
Die Präsidiumswahl war für den Verband ein glatter Durchmarsch – alle vom LJV vorgeschlagenen Kandidaten bis zu den Präsidiumsbeisitzern wurden, von wenigen Ausnahmen abgesehen, einstimmig bei geringer Stimmenthaltung angenommen. In einem an die Mitgliederversammlung anschließenden Pressegespräch betonte Müller-Schallenberg in Bezug auf die Diskussion über das geplante neue Landesjagdgesetz, man könne mit ihm über alles vernünftig reden, das nicht ideologisch motiviert sei. Im Interesse eines möglichst geschlossenen Auftretens der Jägerschaft erwarte er von der Jagdpresse dazu eine transparente Zusammenarbeit. Angesprochen auf die von privaten Initiatoren für den September geplante Protestkundgebung in Düsseldorf gestand er zu, dass in einer Demokratie jeder seine Meinung äußern dürfe – auch vor dem Landtagsgebäude. Vor Protesten setze er allerdings auf konstruktive Gespräche mit der Politik.
Ins gleiche Horn stieß am Nachmittag auch Umweltminister Johannes Remmel, der erstmals zum an die Mitgliederversammlung anschließenden Landesjägertag erschienen war. Er habe sich persönlich und politisch darüber geärgert, dass ein Halali geblasen werden solle gegen "ein Ungeheuer, das es noch nicht gibt und auch nicht geben wird", so der Minister wörtlich. Remmel sprach in diesem Zusammenhang von einem durch die öffentliche Diskussion "vergifteten Klima", das er entgiften möchte und dazu gern die ausgestreckte Hand des Landesjagdverbandes ergreife – wobei er auf "Begleitmusik" gern verzichte. So versprach er, dass sich in den Papieren, die sein Haus ins Parlament geben werde, sich keiner der in der Öffentlichkeit diskutierten Punke finden werde, und kündigte an Ralph Müller-Schallenberg gewandt an: "Wir werden das Gespräch mit Ihnen weiter suchen, wenn Eckpunkte für einen Gesetzesentwurf auf dem Tisch liegen". Zwar gebe es Fragezeichen bei der Fallenjagd, der Hundeausbildung und den Haustierabschüssen, zu denen er eigene Positionen habe, die er in sachlicher Diskussion aber bereit sei zu ändern, statt sie "auf Deubel komm raus durchzudrücken."
Wie weit diese Bereitschaft reicht, bleibt allerdings abzuwarten. So gab Remmel mit sehr bestimmten Aussagen den mehr als 1.000 angereisten Jägern Rätsel über seinen Kompromisswillen auf. "Wir werden in Nordrhein-Westfalen in Kürze bleifrei jagen, das ist meine erklärte Absicht", machte Remmel deutlich. Und mit Verweis auf die Erfahrungen aus seiner Heimat, dem Siegener Raum, sei "eine Nutztierhaltung im Freien" zu unterbinden, die nichts mehr mit Jagd zu tun habe.
In seiner Reaktion auf die ministerielle Ansprache sagte der neue Landesjägerpräsident, er habe positiv zur Kenntnis genommen, dass die Grundfeste der Jagd nicht erschüttert würden. Gleichzeitig wies er aber auch darauf hin, dass vom Minister angemahnte Verstöße auf ein Vollzugs-, nicht aber ein Gesetzesdefizit verwiesen. Insofern bedürfe es keiner neuen Gründe für die Jagdausübung, sondern neue Verbote der Jagdausübung bedürften einer Begründung. Und wenn der Minister etwa die regelmäßige Übung zur tierschutzgerechten Jagd auf Schießständen für wichtig halte, müsse er in der Bleifrei-Frage auch im Kalkül haben, dass es gegenwärtig aus technischen Gründen auf den Schießständen noch gar keine Übungsmöglichkeiten mit bleifreier Munition gebe.
Damit wurde – allen beiderseitigen Beteuerungen zu vernünftigen Kompromissen zum Trotz – vor allem deutlich, dass für die angekündigte Landesjagdrechtsnovelle bislang eigentlich nur eines wirklich klar ist: Dass in NRW ein zähes Hauen und Stechen bevorsteht. Und es fraglich bleibt, ob die Bereitschaft zu Zugeständnissen des Landesjagdverbandes etwa bei den Jagdzeiten als Verhandlungsmasse ausreichen wird, die von seinem neuen Präsidenten erwähnten Erschütterungen der Grundfeste der Jagd wirklich abzuwenden. FM