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Mecklenburg-Vorpommern: LJV-Verbandsspitze unter Druck

Hochsitz-Winter © mfotohaus - stock.adobe.com
Die Jagd auf Rehböcke soll in Mecklenburg-Vorpommern künftig bis Ende Januar sein. Die Verbandsspitze des LJV steht deshalb unter Druck.

Im Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern rumort es mächtig. Die Kreisjagdverbände erheben schwere Vorwürfe gegen die Verbandsführung. Am 22. November 2019 hatte Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) Umwelt-, Jagd- und Waldbesitzerverbände zu einem Runden Tisch „Wald und Wild“ geladen, um die Weichen zu einer ökologischen Ausrichtung der Jagdgesetzgebung (wir berichteten) zu stellen. Am Ende des Tages unterschrieben die Teilnehmer, auch die Vertreter des Landesjagdverbandes, die Vizepräsidenten Reinhard Hube und Wilfried Röpert, das Positionspapier Wald und Wild.

Der Minister verkaufte den Deal als großen Erfolg. Nach seinem Zeitplan soll die Jagdgesetznovelle noch vor Beginn des nächsten Jagdjahres in Kraft treten.

Proteststurm an der Mitgliederbasis

Die Zustimmung des LJV-Präsidiums zum Positionspapier löste einen Proteststurm an der Basis aus. Auf Druck der Kreisjagdverbände traf sich kurzfristig das erweiterte LJV-Präsidium zu einer Krisensitzung. In der hitzigen Debatte war von Verrat die Rede und es wurden Rücktrittsforderungen laut. Die beiden Vizepräsidenten, die zwischenzeitlich ihre Zustimmung zu der Vereinbarung widerrufen hatten, gaben an, am Runden Tisch überrumpelt worden zu sein.

Die Spitzen des Verbandes fassten den Beschluss, den vom Minister angestrebten Kurswechsel nicht mitzutragen. „Wir halten an den gewachsenen und bewährten Jagd- und Schonzeiten des Wildes fest”, heißt es in der Erklärung. Und weiter: „Mit der Wildbewirtschaftungsrichtlinie, den Hegegemeinschaften und Hegeringen haben wir fachliche Gremien und Regularien, um unsere Wildbestände nachhaltig zu bewirtschaften. Als Anwälte des Wildes lassen wir es nicht zu, dass das Klima nun mit der Büchse gerettet werden soll und dabei Weidgerechtigkeit und Tierschutz auf der Strecke bleiben. Das ist mit uns nicht verhandelbar.“

Backhaus teilte mit, dass für ihn die Vereinbarung nach wie vor Bestand hat. Er will das Präsidium zum Gespräch einladen. Der CDU-Koalitionspartner lehnt dessen Vorstoß ab. Nach Aussage eines CDU-Sprechers sei eine Novelle des Landesjagdrechts mit ökologischer Ausrichtung nicht Bestandteil der Koalitionsvereinbarung. Eine Jagdgesetzänderung sei nicht vonnöten. Die Behörden hätten genügend Rechtsgrundlagen um einzugreifen, falls es erforderlich sei.

Unruhe im Landesjagdverband

Das ominöse Positionspapier ist nicht der einzige Grund, der für Unruhe im LJV sorgt. Für Wirbel sorgen auch Aussagen im Gesprächsvermerk eines Treffens des LJV-Präsidiums mit Vertretern der Landesforstanstalt und privaten Waldbesitzern zu Fragen Wald und Wild und waldverträglichen Wildbeständen. Zum Thema Verlängerung der Jagdzeit auf den Rehbock bis zum 31.1. ist zu lesen: „Die geltende Schonzeit für Rehböcke wird nicht verändert. Aber: Ein fahrlässiger Abschuss eines Rehbockes auf einer Bewegungsjagd in der Zeit vom 16.10. bis 31.1. sollte nicht mehr als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Die Jagdbehörden sind nicht mehr zu unterrichten. Die Ahndung obliegt den Jagdleitern.“ Das werten viele als einen Freifahrtschein zum Rechtsbruch, den der LJV offensichtlich billigt.

Reinhard Schneider


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