Home News Mähtod: Wie viele Kitze sind es wirklich?

Mähtod: Wie viele Kitze sind es wirklich?

Vermeidbarer Anblick: Gemeinsam können Landwirte und Jäger solchen Vorkommnissen entgegenwirken.

Vermeidbarer Anblick: Gemeinsam können Landwirte und Jäger solchen Vorkommnissen entgegenwirken.


Auf die Zahl von 100.000 bei der Mahd getöteten Rehkitzen berufen sich viele Verbände, oft ohne Quellenangabe. Den Landwirten wird seit Jahren diese Zahl vorgeworfen. Nun steht die Deutsche Wildtierstiftung in der Kritik der "Frankfurter Allgemeinen" und "bild.de", Fake-News zu verbreiten. 

In einer Pressemitteilung der Stiftung wird die Herkunft der Zahlen in Reaktion auf die Vorwürfe jedoch präzisiert. Es ist eine Hochrechnung, bei der man von vier getöteten Kitzen auf 100 Hektar Grünland ausgeht. Somit kommt man nach dieser Berechnung auf 92.000 Kitze, die vom Mähtod auf rund 2,3 Millionen Hektar Fläche betroffen sind. Die Flächengröße ergibt sich aus dem bewirtschafteten Dauergrünland in Deutschland zuzüglich der für den Grünfutteranbau genutzten Ackerflächen. Die Deutsche Wildtierstiftung selbst bezeichnet diese Zahlen als "konservativ".
 

Genaue Zahlen unbekannt – hohe Dunkelziffer

Richtig ist jedoch, dass es keine genauen Statistiken darüber gibt, wie viele Wildtiere bei landwirtschaftlichen Erntearbeiten tatsächlich sterben. Auch die Streckenmeldungen sind dabei wenig aufschlussreich. In Bayern zum Beispiel werden Rehkitze, die vor Beginn ihrer Jagdzeit (1. September) umkommen, nicht in die Streckenliste aufgenommen.

Ein weiteres Problem stellt die Dunkelziffer dar. Bei der hohen Erntegeschwindigkeit moderner Maschinen werden längst nicht alle Verluste bemerkt. Die anhaltenden Diskussionen über die tierschutzrechtliche Verpflichtung der Landwirte, den Mähtod zu verhindern, dürfte auch eine Rolle spielen: Wer soll ein totgemähtes Kitz melden, wenn er Angst haben muss, danach belangt zu werden?


Hannah Reutter geboren in Stuttgart, in der Landwirtschaft aufgewachsen, Jägerin und Führerin von DD & Dackel, seit 2018 bei den dlv Jagdmedien als Volontärin tätig.
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