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Lasst mich wieder spielen

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Donnerstag, 11.06.2015 - 02:10
Gut getarnt und geschützt: Ein Gotcha-Spieler im Unterholz. Foto: picture alliance © picture alliance

Tobias Anderka besitzt etwa einen Hektar Wald in der Nähe von Wien. Jetzt will er nicht mehr akzeptieren, dass er als Bürger eines freien Landes nicht entscheiden darf, was auf seinem Grund und Boden passiert, beziehungsweise nicht passiert. In einem Artikel aus „Die Presse“ wird er als Selbstbestimmungsrechtler hochstilisiert. Zusammen mit Tierschützern sagt er den Behörden den Kampf an. Rückenwind gebe ihm ein entsprechendes Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), das in Deutschland schon zu Austritten aus Jagdgenossenschaften geführt hat. Medien – darunter jagdlich relevante – befürchten, dass inzwischen auch in Österreich an den "Grundpfeilern des Jagdsystems gesägt wird". Jedoch haben die Berichterstatter einen wichtigen Punkt außer Acht gelassen: Für die EGMR-Richter war die ethische Einstellung und Lebensweise der Grundbesitzer ausschlaggebend. Diese teilt Anderka aber nicht, sagte er gegenüber jagderleben.
Dem 36-Jährigen geht es vermutlich um etwas völlig anderes. Ihm wurde nämlich verboten, in seinem Wald Paintball zu spielen – vom Obersten Gerichtshof. Letzterer entschied bereits 2011 nach einer Anzeige von Jagdausübungsberechtigten, dass das Betreiben von "Gotcha" eine unnötige Beunruhigung des Wildes darstellt und zu unterlassen ist. Trotz des höchstrichterlichen Urteils will sich Anderka aber nicht geschlagen geben, denn offiziell ginge es ihm ja gar nicht um eine banale Freizeitbeschäftigung, sondern um die Verletzung von Grundrechten.
BS