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Lappjagden im Landesforst sorgen für Empörung

Reinhard Schneider
am
Freitag, 28.01.2022 - 10:11
Lappjagd-Nahaufnahme © unsere Jagd
Die Ablappung mit den blauen Tüchern erfolgte auch teilweise an den Reviergrenzen.

Der Forstbetrieb Süd des Landesforstes Sachsen-Anhalt hat in der abgelaufenen Stöberjagdsaison bei fast der Hälfte seiner 43 Jagden kilometerlange Leinen mit Stofflappen (80x40 cm) entlang von Straßen, teilweise an Reviergrenzen und sogar in einem angrenzenden gemeinschaftlichen Jagdbezirk aufgehängt. Betroffene Jagdpächter wie Jürgen Koschel sehen in der Ablappung einen Verstoß gegen § 19 Abs.1 Nr. 3 Bundesjagdgesetz, demzufolge es verboten ist, die Lappjagd innerhalb einer Zone von 300 Metern von der Reviergrenze auszuüben. Jürgen Koschel erstattete Anzeige.

Nach Darstellung des Leiters des Forstbetriebes Süd, Holger Koth, erfolgte die Lappung ausschließlich aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht. Er habe diese Maßnahme zusätzlich zu den aufgestellten Warnschildern und Tempolimits erstmalig angewiesen, äußerte er gegenüber der Redaktion. Auf die Frage, ob es in der Vergangenheit vermehrt Wildunfälle während der Jagden gab, die eine Aufstockung der Verkehrssicherheit notwendig machten, räumte Koth ein: „Nein, aus dieser Sicht gab es dazu keinen Anlass. Es gab in den letzten Jahren keine Unfälle.“

Widerspruch bei Wirksamkeit bei Schwarzwild

Auch an Straßen wurden die Leinen aufgehängt.

Allerdings hätten ihn die Stöberhundführer dazu gedrängt, Maßnahmen zu ergreifen, um das Unfallrisiko für die Hunde zu mindern. Zudem trage die Lappung zu einer erhöhten Schwarzwildstrecke bei und damit zur ASP-Prävention. Widersprüchlich dazu stehen jedoch seine Angaben zur festgestellten Wirksamkeit der Lappenleinen: „Rot-, Dam- und Rehwild 'respektieren' die Tücher. Sauen und Füchse lassen sich davon nicht beeindrucken.“

„Lappjagd nicht mehr zeitgemäß und ethisch vertretbar“

Es verwundert nicht, dass viele Jäger die Begründung „Verkehrssicherungspflicht“ für unglaubwürdig halten, zumal in den anderen vier Forstbetrieben des Landes dies nicht betrieben wird. Jagdpächter in Anrainerrevieren des Landesforstes wie Jürgen Richter vermuten vielmehr, dass die Lappung darauf abzielt, das Wild länger in den Treiben zu halten, um die zahlende Gästeschar angesichts der stark reduzierten Bestände überhaupt noch zu Schuss kommen zu lassen.

Dem widerspricht Forstchef Koth vehement: „Unsere Jagdstrategie ist darauf ausgerichtet, den mit vielen Millionen Steuermitteln geförderten Waldumbau sowie die Aufforstungen der riesigen Schadflächen zu ermöglichen.“ "Gegen dieses ehrenwerte Ziel sei nichts einzuwenden und es findet unsere Unterstützung", meint Jagdpächter Jürgen Koschel. „Aber doch nicht mit allen nur erdenklichen Mitteln. Die Lappjagd halte ich für frevelhaft, sie ist nicht mehr zeitgemäß und ethisch vertretbar.“

Auch aus der Bevölkerung hagelte es Kritik an den aufgehängten Lappen: „Was seid ihr für Jäger, ihr lasst dem Wild jetzt wohl überhaupt keine Überlebenschancen mehr“, lauteten die Vorwürfe.


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