Home News Landesjägertag Baden-Württemberg: Klare Positionen eingefordert

Landesjägertag Baden-Württemberg: Klare Positionen eingefordert

Neues Format: Podiumsdiskussion statt Grußworte beim Landesjägertag mit Reinhold Gall (SPD), Prof. Dr. Ulrich Schraml (Mod.), Reinhold Pix (Grüne), Dr. Hans-Ulrich Rülke (FDP), Christian E. Kunz (LJV), Udo Stein (AfD) und Manuel Hagel (CDU).


Der Landesjagdverband (LJV) Baden-Württemberg startete den Landesjägertag 2018 in Kirchheim/Teck diesesmal ganz anders: Denn die gewohnten politischen Grußworte sind Zeitfresser ohne wirkliche Aussagekraft. Ein genaueres Bild, wie der/die Politiker(in) tickt, bot dagegen das Format der Podiumsdiskussion mit den verschiedenen Parteien zu wichtigen Themen rund um die Jagd.

Ein Staatssekretär mit spezieller Herkunft

Der Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann machte zum Anfang seinem Ärger Luft, den Umwelt-Staatssekretär Dr. André Baumann (ehemals hauptamtlicher NABU-Landesvorsitzender) verursacht hatte, der meinte, dass Jäger nichts zum Wolfsmonitoring beitragen können.

Dem wurde auf dem von Prof. Ulrich Schraml moderierten Podium heftig widersprochen. Dr. Hans-Ulrich Rülke (FDP) sprach von „Wolfspatenschaften“ im Landtag und der fehlenden Anwendung des JWMG- Schalenprinzips auf Arten wie Wolf, Biber und Kormoran. Christian Kunz (LJV) sagte, dass wenn man die Landwirte und Jäger nicht mitnehme, man sich über eine fehlende Akzeptanz nicht wundern müsse. Am Ende wolle man auch keine externen „Entnahmetrupps“, die in gepachteten Revieren rumstolpern.

Für eine Aufnahme ins Jagdgesetz sprach sich Reinhold Gall (SPD) aus, wies aber auch auf die Gefahr hin, dass dann die Jäger unter Umständen auch beim Schadensmanagement zur Kasse gebeten werden könnten.

Im Würgegriff der drohenden ASP

Wichtigstes Thema stellte die drohende ASP dar. Alle Diskutanten waren sich einig, dass Jagd nur eine von mehreren Präventionsmaßnahmen sein kann. Laut Manuel Hagel (CDU) sitzen Bauern und Jäger in einer Verantwortungsgemeinschaft, aber auch das Land sei hier in der Pflicht, so SPD-Mann Gall. Rülke (FDP) geht da noch weiter, die ASP werde uns die nächsten Jahre beschäftigen und sei nicht durch das befristete, einjährige Aussetzen der Ruhezeit auf Schwarzwild und ähnliche kurzfristig angelegte Maßnahmen abzuwenden. Er machte sich für Nachtjagdtechnik genauso stark wie für die Abschussprämie.

Dem widersprach Manuel Hagel (CDU), er wolle viel lieber die Kostenschwellen (Trichinenschau) abschaffen, hier seien aber die Kreistage und Landräte gefordert. Denn die Abschussprämie wirke wie eine Maßnahme der „Schädlingsbekämpfung“, und die könne ja kein hochwertiges Lebensmittel erzeugen, was sich so in den Köpfen der Leute verankere und die Wildbretpreise auf Dauer in den Keller drücke.

Trotz aller Ernsthaftigkeit sorgte gerade Reinhold Pix (Grüne) noch für zwei echte Schenkelklopfer: einerseits nutzte Moderator Schraml Pix’ Erzählung von seiner Gamsjagd in der Schweiz, um das als ein klares Bekenntnis zur Auslandsjagd zu werten. Andererseits erzählte der Grüne voller Überzeugung von dem Lob des DJV-Präsidenten Hartwig Fischer auf der Grünen Woche in Berlin, dass Baden-Württemberg ja das beste Jagdgesetz Deutschlands habe. Wer’s glaubt, wird selig …


Sascha Numßen Seit Mai 2011 PIRSCH-Chefredakteur. Geboren 1971 in Frankfurt (Hessen), Jagdschein seit 1994, Studium in München, Diplom-Forstwirt.
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