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Künstliche Aufregung

J.-M. Bloch © Markus Werner
Josef-M. Bloch
am
Mittwoch, 28.01.2015 - 10:49
"Grüne Paragrafen - braune Denke" ist der Beitrag über die Entstehung und Wirkungsgeschichte des Reichsnaturschutzgesetzes betitelt. Foto: PA © PA

Worum geht es? Autor Dieter Stahmann zeigt in seinem Beitrag "Grüne Paragrafen - braune Denke", dass das unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geschaffene "Reichsnaturschutzgesetz" die damalige Blut-und-Boden-Ideologie "atmet". Und wie schwer sich der verbandliche Naturschutz nach 1945 damit tat, sich von diesen Wurzeln zu lösen, bzw. die eigene (braune) Vergangenheit aufzuarbeiten.
Eine Stoßrichtung des Artikels zielt dabei sicher auch auf die häufig vorgebrachte Kritik von Naturschutzverbänden, das Reichsjagdgesetz von 1934 sei ein "Nazigesetz" gewesen und wirke im Bundesjagdgesetz bis heute nach. Stahmann zeichnet die Entstehungsgeschichte beider Gesetze nach und zeigt, dass dies eher für das Reichsnaturschutzgesetz gilt.
Martin-Sebastian Abel, tierschutzpolitischer Sprecher der "Grünen" im nordrhein-westfälischen Landtag, ficht das nicht an. Er fordert im Kölner "Express" ein Entschuldigung. Zitat: "Die tiefbraunen Vergleiche aus Reihen der Jägerschaft sind nicht mehr zu ertragen".
Die in dem kritisierten Artikel referierten Fakten und auch die daraus gezogenen Schlüsse sind jedoch keineswegs neu. Bereits in der Ausgabe 5/2007 hat Volker Wollny in der PIRSCH die Grundzüge dieser Problematik anschaulich dargestellt. In dem Beitrag findet sich das Foto eines "missmutig" durch die Jagdausstellung von 1937 hastenden "Führers". Ist der Tierfreund, Vegetarier und Jagdgegner Hitler Beweis genug für die NS-Ideologie im Naturschutz? Und was sagt "Reichsjägermeister" Göring über die Jagd aus? Diesen Schlagabtausch wollte Wollny in seinem Artikel eigentlich gar nicht führen. Ihm ging es eher darum zu zeigen, warum Nazi-Vergleiche weder im Naturschutz noch bei der Jagd in Zusammenhang mit heute gültigen Gesetzen einen Sinn machen.
Und was die Vergangenheit betrifft: Kein geringerer als Jürgen Trittin war es, der 2002 unter dem Titel "Naturschutz und Nationalsozialismus" einen Kongress eröffnete, der die Thematik intensiv beleuchtete.
Warum also jetzt die künstliche Aufregung über den PIRSCH-Artikel in den Reihen der Grünen? Zu erklären ist diese eigentlich nur vor dem Hintergrund der laufenden jagdpolitischen Diskussionen um das von den Grünen geplante "Ökologische Jagdgesetz" für Nordrhein-Westfalen. JMB