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Kölsche Klüngel im Remmel-Land?

Minister Remmel: Der Vorwurf der Einflussnahme wird lauter. Foto: FM


Während jeder Jägerin und jedem Jäger die Hölle heiß gemacht wird, sobald sie oder er am Tag mehr als einen Liter je 100 Hektar Kirrmittel ausbringt, bekommt man als Großgrundbesitzer satte Ausnahmen genehmigt. Richard Prinz Sayn-Wittgenstein darf seinem Rot- und Schwarzwild täglich 15 Kilogramm Futter je 150 Hektar Waldfläche darbieten. Obwohl der Kreis Siegen-Wittgenstein (der Wahlkreis von Umweltminister Johannes Remmel) als zuständige Behörde in einer Beurteilung „tierschutzrechtliche Bedenken“ geäußert hat, wurde dem adeligen Antrag stattgegeben. Unser Informant fragt sich, hat der Prinz im Gegenzug Remmel sein Wisent-Projekt als Artenschutz-Aushängeschild vermacht?
Ein weiteres Indiz dafür: Direkt an der Ausnahmegenehmigung beteiligt ist die dem grünen Minister unterstellte Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung. Ihr Leiter Dr. Michael Petrak unterschrieb in seiner Fütterungs-Zusage, dass das Wild schwach ausgesehen hätte. In Jägerkreisen ist das Sayn-Wittgensteiner Revier übrigens bekannt für mehrere kapitale Einser-Hirsche auf der Jahresstrecke.
Mit welchen Mitteln Remmels Behörden und Ämter arbeiten, wird noch aus anderen Schriftstücken deutlich. In einem Rundschreiben des Landesbetriebes Wald und Holz (der von Ministers Parteifreund Andreas Wiebe geleitet wird) werden Mitarbeitern unter dem Motto „ein Kopf trägt einen Hut“ Maulkörbe verpasst. Darin steht, dass die Bediensteten gegenüber der Presse ausschließlich die hausinterne Meinung vertreten dürfen. Die Drohung im Wortlaut: „Wer sich entscheidet als Privatperson (...) zu sprechen, sollte sich genau überlegen ob seine Aktivitäten dem Ruf oder der Arbeit des Dienstherren schaden können.“
Zu „guter“ Letzt fällt uns noch eine Aktennotiz des Oberverwaltungsgerichts in Münster in die Hände. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (natürlich ist auch dieses Remmel nachgeordnet) hat bezüglich einer Sondergenehmigung zur Jagd auf nichtbrütende Wildgänse einen Sachverständigen auszutauschen versucht, weil dieser offenbar zu positiv zur Jagd eingestellt war. Zumindest stimmt es die Beteiligten sehr misstrauisch, weil dies ohne Angaben von Gründen geschah.
RJE


Aktualisierung vom 12. Februar:

Im Gespräch mit jagderleben streiten die Kreisverwaltung und der Leiter der Wittgenstein-Berleburg'schen Rentkammer, Johannes Röhl, sämtliche Vorwürfe ab. Ein Zusammenhang zwischen dem Prinzen, dem Umweltminister sowie mit dem Wisentprojekt sei "an den Haaren herbeigezogen". Die Fütterungsgenehmigungen bestünden seit 2003 und wurden seitdem immer wieder grunderneuert. Des Weiteren sei die Erlaubnis, Bietreber und Kraftfutter (10%) aufgrund zu hoher Wildbestände zu verfüttern, mit Auflagen belegt. Zum einen wäre dies nur in der gesetzlichen Fütterungszeit (1.12. bis 30.4) erlaubt. Darüber hinaus musste in der Vergangenheit auch nachgewiesen werden, dass die Rotwildbestände gesenkt wurden. Der entsprechende Bescheid mache dies zur zwingenden Voraussetzung für eventuelle Beibehaltung der Fütterungsgenehmigungen. Dazu melde man in gewissen Abständen Gewichte und Nierenfettindizes an die Wildtierforschungsstelle. BS