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Knabbern für die Industrie

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Montag, 15.12.2014 - 01:10
Steinmarder in Aktion: Das ist einer der drei tierischen "Kabeltester". Foto: Aktion Fischotterschutz © Aktion Fischotterschutz

Dr. Hans-Heinrich Krüger, zuständig für die Tierforschung im Otter-Zentrum, berichtet, dass Schläuche und Kabel auf Mardersicherheit getestet würden. Auf einem Holzbalken sind in Schlaufen schwarze und orangefarbene Leitungen befestigt, manche haben eine glatte Oberfläche, andere sind gewellt. Einige sind unberührt, andere durchgebissen. „Das dauert drei, vier Tage, dann beginnen die Marder daran zu knabbern.“ Die Ergebnisse der nächtlichen Knabbereien nimmt Dr. Krüger täglich in Augenschein. Seit rund zehn Jahren läuft das Projekt schon, neuerdings auch für Autos mit Elektroantrieb.
Seit den 1980er Jahren träten vermehrt Schäden an Autos durch Steinmarder auf, so eine Sprecherin des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Marder verursachten jährlich einen Schaden von mehr als 60 Millionen Euro an Kraftfahrzeugen. Mehr als 200.000 Fälle würden jedes Jahr bundesweit gemeldet, Tendenz steigend. Auch der ADAC vermeldet, dass jährlich rund 16.000 durch Marder verursachte Pannenfälle gemeldet würden. Besonders häufig betroffen seien Zündkabel, Kühlwasser-Schläuche, Stromleitungen sowie Manschetten an Lenkung und Antriebswellen. Der ADAC empfiehlt mechanischen Schutz der Kabel oder eine Abschottung des Motors. Bewährt hätten sich Geräte, die nach dem Prinzip des Weidezauns leichte elektrische Schläge verteilten. „Geruchsstoffe und Ultraschall helfen oft nur kurzfristig, weil sich die intelligenten Tiere rasch daran gewöhnen“, bestätigt der Marderexperte.
Der Motorraum eines Autos sei ein warmer Unterschlupf für den Steinmarder. Dr. Krüger: „Er beißt in Kabel und Schläuche, um sich dort Platz zu schaffen, um den Motorraum gegenüber Artgenossen zu markieren oder einfach nur im Spiel.“
PM