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Klöckner stellt Waldstrategie 2050 vor: Auch Jagd ist betroffen

Fokko Kleihauer © Fokko Kleihauer
Fokko Kleihauer
am
Mittwoch, 08.09.2021 - 16:41
Wald im Sommer © Fotoschlick - stock.adobe.com

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner wolle mit der Strategie implementieren, was mit dem ökologischen Waldumbauprogramm in dieser Legislaturperiode auf den Weg gebracht wurde.

Mit 1,5 Milliarden Euro wird im Waldumbauprogramm die Wiederbewaldung von 280.000 Hektar Wald gefördert. In der Waldstrategie 2050 sollen diese Ziele verfolgt werden:

  • die Wälder an den Klimawandel anpassen,
  • die Biodiversität besser schützen,
  • eine nachhaltige Waldbewirtschaftung garantieren, die auch dafür sorgt, dass Holz und Holzprodukte dauerhaft CO2 speichern,
  • den Wald als wertvoller Erholungsort für die Bürgerinnen und Bürger erhalten und bei ihnen Bewusstsein für den Wert des Waldes schaffen

Was heißt das für Jäger?

59 Meilensteine gibt es in der Waldstrategie 2050. Die beschreiben konkrete Ziele, die bis 2030 erreicht werden sollen. Ein Ziel ist die Verjüngung standortgerechter, artenreicher und klimaresilienter Mischwälder aus Naturverjüngung, Saat und Pflanzung ohne Schutzmaßnahmen vor dem Verbiss durch Wild.

Die Populationsdichten mancher Schalenwildarten hätten durch häufige Mastjahre bei Buche und Eiche in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Um allerdings die Ökosystemleistungen des Waldes und die Bedürfnisse des Wildes in Einklang zu halten oder zu bringen, sollen "die jeweilige Wildart und an die waldbauliche Situation vor Ort angepasste Jagdstrategien" es richten. Bis 2030 sollen Lösungsansätze zur Vermeidung von Wildschäden gemeinsam mit "wichtigen Akteuren" erarbeitet sein.

Weiterhin will das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung bis 2030 bundeseinheitliche Leitlinien und Kriterien zur Erfassung und Bewertung von Wildschäden sowie zur Lebensraumanalyse bezüglich Schalenwildarten entwickeln. Auch einen Mindestabschussplan soll es bis 2030 geben.

Das sind weitere konkrete Handlungsfelder der Waldstrategie

Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel: Die Beratung, Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel wird mit entsprechenden Programmen staatlich gefördert. Wenn CO2-Emissionen bepreist werden, dann muss umgekehrt auch die Klimaschutzleistung der Wälder honoriert werden: Ein System des Bundesministeriums liegt vor. Es muss in der nächsten Legislaturperiode umgesetzt werden. Da der Klimawandel dynamisch ist, müssen auch Programme angepasst werden: Deshalb wird ein zentrales Klimawandel-Monitoring für den Wald etabliert.

Biodiversität: Mit der Strategie soll die als naturnah eingestufte Waldfläche weiter ausgebaut werden (aktuell: 76 Prozent). Dafür wird ein Konzept für Waldnaturschutz entwickelt. Staatliche Förderung wird dafür Anreize setzen, zum Beispiel mit einem Programm analog zur jetzigen Bundeswaldprämie. Es wird ein Monitoring aufgesetzt, das Fortschritte und Nachsteuerungsbedarf bei der Biodiversität ermittelt.

Nachhaltige Waldbewirtschaftung: Ziel ist, die Holzbauquoten beim Neubau von Wohnungen auf 30 Prozent anzuheben. Gerade die öffentliche Hand muss hier eine Vorbildfunktion einnehmen. Dabei sollen regionale Wertschöpfung und Lieferketten gestärkt werden.

Erholungsort und Bewusstsein: Bewusstsein für und Wissen über den Wald werden geschaffen über: Bundeswaldtage und andere Veranstaltungsformate, die „Bundesplattform Wald – Sport, Erholung und Gesundheit“, und über das Kompetenz- und Informationszentrum Wald und Holz.

Schulze kritisiert „Alleingang“

Umweltministerin Svenja Schulze wirft Klöckner einen Alleingang vor. „Im Koalitionsvertrag steht der Auftrag, dass es eine gemeinsame Waldstrategie der Bundesregierung geben soll, aber Frau Klöckner stellt nun etwas vor, bei dem sie nicht einmal den Versuch einer Abstimmung unternommen hat“, monierte Schulze. Dieser nicht abgestimmte Alleingang stelle einen Verstoß gegen den Koalitionsvertrag dar. „Wälder sind mehr als Holzfabriken, sie spielen eine entscheidende Rolle für den Klimaschutz und die Bewahrung der Artenvielfalt“, sagte Schulze. „Darüber hätten wir gern mit ihr diskutiert, dazu war sie aber nicht bereit“, sagte sie über Landwirtschaftsministerin Klöckner.


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