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Keine Schonzeit: Gämsen fehlt Erholung

Fokko Kleihauer © Fokko Kleihauer
Fokko Kleihauer
am
Freitag, 07.01.2022 - 12:06
Gams-Schnee-FK © paolofusacchia - stock.adobe.com
Die Jagdzeit auf Gamswild wurde verlängert.

Wenn der Schnee hoch in den bayerischen Alpen liegt, ruht die Jagd auf Gämse. Die Tiere brauchen Kraft, um durch die harte Zeit zu kommen. Auf großen Flächen in den Alpen ruht die Jagd jedoch nicht, kritisiert Dr. Andreas Kinser von der deutschen Wildtierstiftung in einer Pressemeldung: „Mit dem Argument der Schutzwaldsanierung werden auf 26.000 Hektar auch nach dem 15. Dezember noch bis in den Frühling geschossen“.

In den Chiemgauer Alpen gibt es zum Beispiel in nahezu allen gut geeigneten Winterlebensräumen des Gamswildes keine Schonzeit – die Flächen werden damit zur Todesfalle für die Gämsen. Hoher Druck durch Tourismus in den Skifahrgebieten tut sein übriges. Zwar gäbe es sogenannte Wald-Wild-Schongebiete, die von Skifahrern und Wanderern aus Rücksicht auf das Wild vermieden werden sollen, jagen dürfte man aber ganzjährig auf diesen Flächen.

Erlegte Gämse zu jung

Gleichzeitig zeigen Analysen der Deutschen Wildtier Stiftung, dass das Durchschnittsalter der erlegten Gämsen zum Beispiel im Landkreis Traunstein gerade einmal 2,5 Jahre beträgt – wildbiologisch richtig wäre etwa das Dreifache. Fast 40 Prozent der Tiere wurden in der gesetzlichen Schonzeit erlegt.

„Die starke Nutzung junger und jüngster Altersklassen deutet klar darauf hin, dass die Gämsenpopulationen regional bereits stark übernutzt und destabilisiert sind“, so Kinser.

Gämsen auf der Roten Liste

Mittlerweile stehen Gämsen auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Tiere Deutschlands. Dies ist ein Alarmsignal, das Konsequenzen im Umgang mit der Charakterart der Bayerischen Alpen erfordert.

Die Deutsche Wildtier Stiftung fordert, Jagdschongebiete nach Vorbild der europäischen Nachbarländer auszuweisen, um die notwendigen Alters- und Sozialstrukturen der Gämsen wenigstens in kleinen Gebieten wieder zu stabilisieren. Gegen die Aufhebung der Schonzeit unterstützt die Stiftung gleichzeitig einen Normenkontrollantrag beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof.


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