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Keiler missbraucht Kleinwagen als Malbaum

Torsten F. steht fassungslos vor seinem ramponierten Pkw. Foto: Stephan Elison © Stephan Elison
Flog über die Hecke und hat jetzt ein Loch: Torstens Kompsttonne. Foto: Stephan Elison © Stephan Elison

Flog über die Hecke und hat jetzt ein Loch: Torstens Kompsttonne. Foto: Stephan Elison

Torsten F. ist "pappensatt": Ein Wildschwein hat sich an seinem erst ein Jahr alten japanischen Kleinwagen vergangen. Die komplette rechte Fahrezugseite, teilweise auch Front und Heck sowie Außenspiegel und die Scheibe auf der Beifahrerseite sind zerkratzt und mit unschönen Dellen übersät.
Der Täter soll ein starker Keiler gewesen sein: "Die Nachbarn haben es gesehen", berichtet F. jagderleben.de gegenüber. Demnach hat der Schwarzkittel erst ein Loch in die Komposttonne gehauen und anschließend das ganze Ding über die Taxushecke katapultiert. Dann machte er sich an dem Toyota "Aygo" zu schaffen: Schubberte genüßlich die Schwarte am sensiblen Blechkleid und verpasste der Karosserie ein paar kräftige Stöße mit dem Gewaff. Ob der Keiler den kugeligen Kleinwagen als Rivalen, Sexpartner oder willkommenen Malbaumersatz auffasste, ist nicht bekannt.
Die meisten Kratzspuren prangen in einer Höhe von etwa 1,10 Meter an dem Wagen. Keilerwaffen auf dieser Höhe lassen den Kundigen auf ein stattliches Hauptschwein schließen: "Meine Nachbarn sagen, der reicht mir bis zum Gürtel", schaudert Torsten F. – er ist 1,83 Meter groß!
Der Keiler ist in der Siedlung bei Waltersdorf im Berliner Umland ein alter Bekannter: "Der schleicht hier völlig zutraulich durch die Gärten und gräbt alles um", klagt ein Nachbar des Geschädigten. Die üblichen Maschendrahtzäune schützen nicht vor der Verwüstung der Grundstücke: Die Sau hebt sie an und zwängt sich durch. Außerdem sollen noch mehrere Rotten Schwarzwild durch die Siedlung vagabundieren.
Wütend knallt der Besitzer des stark wertgeminderten Wagens einen Kostenvoranschlag auf den Tisch: 3451 Euro und 12 Cent will die Werkstatt für die Reparatur des tierischen Annäherungsversuchs.
"Wer kommt für den Schaden auf?", will Torsten F. wissen. Die Versicherung schon mal nicht: Ein Wildunfall sei nur dann gegeben, wenn der Wagen sich bewegt, teilte die Allianz dem enttäuschten Kunden mit. Da bekanntlich auch sonst niemand für das als herrenlos geltende Wild haftet, dürfte F. auf seinem Schaden sitzen bleiben.
Der für das Gemeindegebiet zuständige Stadtjäger kann auch nicht helfen: In der engen, dicht bebauten Wohnstraße ist ihm ein Schuss verständlicherweise zu riskant. Und in dem nur wenige Meter entfernten Wald darf er nicht schießen, hier ist der Förster zuständig. Namentlich genannt werden möchte der Stadtjäger auf gar keinen Fall: Zuviel Ärger mit militanten Jagdgegnern gibt es in dem stadtnahen Gebiet. Denn während die Anwohner fordern, dass jedes Schwein im Siedlungsbereich totgeschossen werden müsse und auf die "faulen und unfähigen" Jäger schimpfen, sägen andere die Hochsitze um. Auch persönliche Drohungen gegen die Weidmänner sind dort lang schon an der Tagesordnung.
Am Waldrand unmittelbar hinter der Siedlung zeigt sich indes ein gewohntes Bild: Kompost, vergammeltes Streuobst und diverse andere Gartenabfälle bis hin zu Zierkürbissen wurden in großer Menge am Waldrand entsorgt und locken das Schwarzwild erst recht an, wie Fraßspuren und der großflächig und gründlich umgebrochene Waldboden beweisen.
"Jetzt muss was geschehen", fordert Torsten F., der noch zögert, sein Auto reparieren zu lassen: "Was ist, wenn der Keiler sich in meinen Wagen verliebt hat und wiederkommt?" Ausschließen kann man das nicht. Denn wie heißt es doch im Zusammenhang mit der Automarke so schön: Nichts ist unmöglich...
Stephan Elison