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Jungfuchsbejagung in Hessen startet erst jetzt

Mahlzeit: Bis Mitte August können Jungfüchse in Hessen Bodenbrütern und ihrem Nachwuchs ungehindert nachstellen. Foto: W. Rolfes/ LJV © W. Rolfes/ LJV

„Jungfüchse zu bejagen, ist kein Vergnügen, aber angesichts der Fleischmengen von 300 bis 500 Gramm, die ein Fuchs täglich zu sich nimmt, brauchen gerade die Bodenbrüter in den ausgeräumten Feldern eine spürbare und frühe Entlastung vor dem hungrigen Raubwild. Deshalb ist für uns Jäger auch der Fang mit zertifizierten und tierschutzgerechten Fallen ein höchst effektives Mittel“, so die Meinung eines Praktikers. Andreas Mohr ist Gründer des ersten Rebhuhn-Hegeringes in Hessen und konnte bei einem eigenen Versuch in der Wetterau das Ergebnis einer Göttinger Forschungsgruppe bestätigen. Auch bei ihm wurden 75 Prozent der Gelege gefressen, wie der Landesjagdverband (LJV) Hessen in einer Presseaussendung mitteilt. Seine Meinung zum verspäteten Jagdzeitbeginn: „Normalerweise haben wir um diese Jahreszeit in unserem Revier schon 20 Jungfüchse erlegt, das ist jetzt nicht mehr aufzuholen.“
Jagdzeitbegin für den Fuchs ist jetzt der 15. August; die Forderung des LJV an die Politik ist daher eindeutig: Präsident Dr. Jürgen Ellenberger appelliert im Namen der hessischen Jägerinnen und Jäger an Ministerin Hinz „Der Jungfuchs muss wieder ganzjährig bejagbar sein, sonst werden viele Arten in der Feldflur darunter leiden.“
Untermauert wird diese Forderung auch durch Erkenntnisse des Deutschen Jagdverbandes (DJV). Dr. Astrid Sutor ist Referentin für Jagd- und Forstwirtschaft beim DJV und weiß: „Vor Einführung der Tollwutimmunisierung lebten durchschnittlich auf 100 Hektar ein Fuchs und ein Marder - heute suchen auf der gleichen Fläche zwei bis drei Füchse, Stein- und Baummarder, Iltis und in vielen Regionen auch noch der Waschbär nach Nahrung. Insgesamt gesehen, hat die Dichte der Raubsäuger deutlich zugenommen.“
Das Argument, dass der Fuchsbestand sich von selbst auf ein Populationsniveau regelt, das die Artenvielfalt nicht gefährdet und die Fuchsjagd eher noch mehr Nachwuchs erzeugt, lässt sie dabei nicht gelten, sondern verlässt sich auf wissensbasierte Fakten: „Eine Fuchsfähe bringt im Durchschnitt etwa fünf Welpen zur Welt, in der heutigen Kulturlandschaft werden alle satt und die meisten Jungtiere überleben, falls sie nicht an Krankheiten sterben, überfahren oder erlegt werden. Die Jungfüchse besiedeln zwar nach kurzer Zeit schon eigene Reviere, doch durch die optimale Nahrungsversorgung in der Kulturlandschaft können hohe Populationsdichten erreicht werden. Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass eine verstärkte Bejagung generell zu mehr Nachwuchs führt.“
PM/RJE
 


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