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Jugendreport 2010: Natur vergessen?

Kinder einer 6. Klasse, die an der Befragung zum Jugendreport 2010 teilgenommen haben, vor dem Lernort-Natur-Mobil des LJV Berlin. © Stephan Elison

Die seit 1995 in Kooperation mit dem Deutschen Jagdschutzverband (DJV), der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und dem information.medien.agar e.V. (i.m.a.) durchgeführte Studie beschäftigt sich mit der Einstellung Jugendlicher zur Natur. Die Ergebnisse sind im Internet unter www.natursoziologie.de abrufbar. DJV-Präsident Jochen Borchert, der bei der Ergebnispräsentation dabei war, gab zu den teilweise recht ernüchternden Ergebnissen folgendes Statement ab: Natur, Umwelt, Nachhaltigkeit Begriffe, die in aller Munde sind.

Aber offenbar Begriffe, die für immer mehr junge Menschen abstrakt zu sein scheinen. Wir könnten dies mit einem Achselzucken zur Kenntnis nehmen. Aber es geht um unser Verhältnis zu unseren Lebensgrundlagen. Deshalb ist das Wissen über Natur und deren nachhaltige Nutzung unabdingbar. Was früher zum Alltagswissen gehörte, mutet heute exotisch an: wissen, wann der Mond aufgeht, was im Garten so wächst, vielleicht auch, woraus Sauerkraut gemacht wird. All das scheint in Vergessenheit geraten zu sein. Stattdessen wird Natur verklärt. In der Vorstellung vieler Kinder und Jugendlicher ist sie zerbrechlich und schützenswert, Nutzung ist tabu. Wie widersprüchlich das Verhältnis zu ihr ist, zeigt ein Ergebnis des Jugendreports: Wald und Feld vor Wildschäden zu schützen ist für den größten Teil der Befragten eher nützlich. Rehe und Wildschweine zu jagen gilt dem größten Teil der Befragten aber eher als schädlich.

Dass der Schutz der Natur häufig nur durch ihre nachhaltige Nutzung möglich und auch sinnvoll ist, scheint im Bewusstsein vieler Menschen nicht verankert zu sein. Es bleibt als Fazit: Die Schere zwischen dem sicherlich gut gemeinten Wunsch, die Natur und die Umwelt zu schützen und der davon immer mehr losgelösten Gestaltung des eigenen Lebens wird konstant größer. Die Folgen, die diese Entwicklung für den Einzelnen und für die Gesellschaft haben, lassen sich einstweilen nur erahnen. SE/DJV