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Jagdverbände erzwingen Neuwahlen in Mecklenburg-Vorpommern

Reinhard Schneider
am
Montag, 27.01.2020 - 14:50
Feldrehe.jpg © Erich Marek
Ein Kernpunkt des Papiers ist die Jagdzeitverlängerung für Rehböcke auf den 31. Januar.

Der Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern (LJV) befindet sich im schweren Fahrwasser. Der Druck auf die Verbandsspitze hat sich weiter erhöht. In einem Brandbrief an LJV- und DJV-Präsident Dr. Volker Böhning fordern neun der zwölf Jagdverbände des Landes Neuwahlen des Präsidiums.

In dem Schreiben heißt es: „Die (jagdfeindliche) Stellung des Präsidiums in dem Prozess zum Waldumbau sorgt in breiten Kreisen unserer Mitglieder für Unmut, da eine klare Positionierung zum Thema Wald mit Wild nach wie vor vermisst wird.“ Erforderlich sei eine Neuausrichtung, damit nicht noch mehr Mitglieder das Vertrauen in den Verband verlieren.

Mindestabschuss für weibliches Schalenwild

Auslöser der Verbandsmisere ist die am 22. November 2019 erfolgte Mitunterzeichnung des umstrittenen Positionspapiers „Wald und Wild“ von Till Backhaus (SPD) durch die LJV-Vizepräsidenten Reinhard Hube und Wilfried Röpert. Die im Ergebnis des Runden Tisches getroffene Vereinbarung enthält Handlungsempfehlungen, die auf eine ökologische Ausrichtung der Jagdgesetzgebung aus Sicht von Naturschutzverbänden hinauslaufen. Kernpunkte des Papiers sind der Mindestabschuss in den AK 0 (Kitze bzw. Kälber) und AK 1 (einjährige Stücke) sowie AK 2 für weibliches Wild, der Jagdzeitbeginn auf Schalenwild AK 1 ab 16.04 und die Verlängerung der Jagdzeit auf Rehböcke bis 31. Januar.

Die Zustimmung zu dem Papier löste einen Proteststurm an der Basis aus. Unter den Druck nahmen die beiden Vizepräsidenten ihre Zustimmung zurück. Sie gaben an, am Runden Tisch überrumpelt worden zu sein. Für neuen Zündstoff sorgte ein internes Papier, das belegt, dass von Überrumplung keine Rede sein kann. Dabei handelt es sich, um einen Gesprächsvermerk vom 30. Oktober 2019 zum Treffen des LJV-Präsidiums mit Vertretern der Landesforstanstalt und privaten Waldbesitzern zu Fragen „Wald und Wild“ und waldverträglichen Wildbeständen. Wie aus der Notiz ersichtlich, wurde in der Dreierrunde Konsens über Themen erzielt, die auch im Positionspapier Wald und Wild ihren Niederschlag finden. Danach herrschte Einvernehmen zur Einführung von Mindestabschussplänen für weibliches Rot- und Damwild, ohne das der bisher erforderliche Beschluss der Hegegemeinschaft gelten soll. Nach Ansicht der neun Jagdverbände gibt es für diese Zugeständnisse des Präsidiums „keine Entschuldigung“.

Neuwahlen im März 2020

Wie LJV-Pressesprecher Ulf Peter Schwarz auf Anfrage der Redaktion bestätigte, wurden auf der letzten erweiterten Präsidiumssitzung Neuwahlen der Verbandsspitze auf der LJV-Delegiertenversammlung am 28. März 2020 festgelegt. Volker Böhning kandidiert nicht mehr für das Präsidentenamt. Er hatte bereits im vergangenen Jahr seinen Rücktritt öffentlich gemacht auf Grund seiner Doppelbelastung als DJV-Präsident. Verabschiedet wurde auf der Sitzung auch ein durch die Jagdverbände erarbeitetes Positionspapier „Wald und Wild“ mit dem der Verband jetzt in die Öffentlichkeit gehen will.