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Jagdunfall Nittenau: Anklage wegen fahrlässiger Tötung

Die Polizei sucht nach Hinweisen nach dem Jagdunfall in Nittenau (Bayern). © Martin Kellermeier

Die Staatsanwaltschaft Amberg (Bayern) hat Anklage gegen einen Jäger erhoben. Ihm wird vorgeworfen, im Rahmen einer Maisjagd im August 2018 einen Mann tödlich getroffen zu haben. Das 47-jährige Opfer war Beifahrer in einem Auto, das auf einer nahegelegenen Bundesstraße fuhr. Zum Zeitpunkt der Schussabgabe befand sich das Auto auf einer Brücke, die oberhalb des bejagten Feldes liegt. Noch am Unfallort war der 47-Jährige verstorben – beide Lungenflügel waren durchschossen. 

Laut dem ballistischen Gutachten handelte es sich bei dem Geschoss um ein H-Mantelgeschoss im Kaliber .30-06. Dieses wurde nicht, wie zwischenzeitlich angenommen, durch einen harten Stein abgelenkt, sondern hatte vor dem tödlichen Unfall "weiches Gewebe" – wie beispielsweise einen Wildkörper – durchschlagen. Laut Gutachten hat das Projektil dadurch seine Flugbahn aber nicht wesentlich verändert bzw. an Energie verloren. Dies teilte die Staatsanwaltschaft auf Rückfrage der Redaktion mit.

Laut Staatsanwaltschaft keine "Schutzvorrichtungen"

An diesem Maisfeld wurde der tödliche Schuss abgegeben. © Martin Kellermeier

An diesem Maisfeld wurde der tödliche Schuss abgegeben.

"Weiterhin waren keinerlei Schutzvorrichtungen gegeben, so dass sich der Sorgfaltspflichtverstoß auch auf die Nichteinhaltung von jagdrechtlichen Unfallverhütungsvorschriften stützt", so die Staatsanwaltschaft in einer Stellungnahme. Auf Rückfrage der Redaktion, um was für "Schutzvorrichtungen" es sich dabei genau handle, gab der leitende Oberstaatsanwalt als Beispiel das Aufstellen von Warnschildern an.

Bei dem 46-jährigen Schützen handelte es sich gleichzeitig auch um den Jagdleiter. Das Landgericht Amberg entscheidet nun, ob es zu einem Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen ihn kommt.


Hannah Reutter geboren in Stuttgart, in der Landwirtschaft aufgewachsen, Jägerin und Führerin von DD & Dackel, seit 2018 bei den dlv Jagdmedien als Volontärin tätig.
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