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Jagdgesetz: Entwurf will bisheriges Reviersystem aushebeln

Jaeger-Anschlag © Bergringfoto – stock.adobe.com
Feuer frei: Geht es nach einem Entwurf für eine Jagdgesetznovelle in Brandenburg, soll jeder Grundeigentümer seine Fläche ab 10 ha selbst bejagen können.

In Brandenburg wird zum Sturmangriff auf Schalenwild und auf das Reviersystem geblasen. Im Entwurf des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK) für ein Jagdgesetz geht es in der Tat um nicht mehr und nicht weniger als um die Abschaffung des Reviersystems und um die Zerschlagung eines Wildtiermanagements, das sich an wildbiologischen Erkenntnissen orientiert.

Oberste Maxime ist Wald vor Wild. Ein Aufwachsen der Verjüngung des Waldes muss an jeder Stelle gewährleistet sein, wobei Waldinventuren Grundlage der Beurteilung sein sollen. Es soll keinerlei zeitliche Vorgaben bei der Verpachtung von Jagdbezirken mehr geben. Jeder Grundbesitzer, der mindestens 10 Hektar sein eigen nennt, kann aus einer Jagdgenossenschaft ausscheren und auf seiner Scholle jagen, selbst wenn sie aus nicht zusammenhängenden Teilstücken von je einem Hektar besteht.

Abschusspläne wird es nicht mehr geben, allenfalls als Vorgabe von Jagdbehörden, um höhere Abschüsse zu erzwingen. Fütterung und Kirrung sind generell verboten. Jagd am Naturbau ist ebenso passé wie Totschlagfallen. Jagdausübungsberechtigte sind verpflichtet, sich verendetes Schalenwild, vor allem Unfallwild, anzueignen und zu beseitigen. Die Liste jagdbarer Arten wird reduziert, Nutrias sucht man dort vergebens. Im Entwurf wird das MLUK ermächtigt, alle wichtigen Bereiche am Gesetzgeber vorbei durch Verordnungen zu regeln.

„Der veröffentlichte Entwurf ist einer obersten Landesbehörde in keiner Art und Weise würdig“, lässt sich der Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg, Dr. Dirk-Henner Wellershof in einer Pressemitteilung zitieren. Ebenfalls pikant: Laut LJV habe das Forum Natur, ein Interessensverband, der über 200.000 Mitglieder und über eine Millionen Hektar bewirtschaftet, im bereits November 2020 einen Vorschlag für eine Gesetzesnovelle vorgestellt.

„Das Papier der Landnutzer wurde komplett ignoriert.“ Obwohl es sich bei dem Entwurf offenbar nicht um die finale Fassung handelt, sieht der LJV darin „... einen Feldzug gegen das Schalenwild“, „untermauert mit unhaltbaren und fachlichen Falschaussagen.“ Dr. Wellershoff droht, sollte dieser Entwurf dem MLUK präsentiert werden juristische Mittel bis hin zu einem „...Streik der Jägerschaft sowie aller Landnutzerverbände“ an.

In Brandenburg füllt seit 2019 eine rot-schwarz-grüne Koalition die Regierungsbank. Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz ist Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen). HDP/MW

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