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Jäger tötete Einbrecher

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Montag, 27.10.2014 - 16:56
Das Tatobjekt - in diesem Anwesen fand der Überfall statt. Foto: Polizei © Polizei
Das Tatobjekt - in diesem Anwesen fand der Überfall statt. Foto: Polizei

Der Vorfall ereignete sich im Dezember 2010. Fünf Männer hatten den damals 77-Jährigen in seinem Anwesen in Sittensen (Niedersachsen) überfallen und ausgeraubt (wir berichteten hier). Als die Räuber versuchten einen Tresor zu öffnen, lösten sie Alarm aus. Davon überrascht flohen sie, der Rentner hatte sich zwischenzeitlich bewaffnet. Er schoss und traf einen 16-jährigen Jugendlichen tödlich in den Rücken.
Das Landesgericht Stade urteilte jetzt erstmalig, neun Monate auf Bewährung wegen Totschlag in einem minder schweren Fall. Der Vorsitzende Richter Berend Appelkamp sagte, dass "ein gezielter Schuss auf Arme oder Beine ausreichend gewesen wäre, um den Angreifer zu stoppen". Als waffenkundiger Jäger hätte der Angeklagte das wissen müssen. Er habe zwar die Schüsse aus Angst um sein Leben abgegeben, die Grenzen der Notwehr aber dabei überschritten. Staatsanwaltschaft sowie Verteidigung hatten Freispruch gefordert. Die Nebenklage eine Verurteilung wegen Totschlags, das Strafmaß überließ sie dem Gericht.
Von Anfang an hatte der heute 81-Jährige den tödlichen Schuss zugegeben. Doch warum erst jetzt die Verhandlung? Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst das Ermittlungsverfahren gegen den Waidmann eingestellt, nach einer Beschwerde erhob sie doch noch Anklage. Diese wurde dann wiederum vom Gericht abgelehnt. Erst nachdem das Oberlandesgericht Celle die Eröffnung des Hauptverfahrens anordnete, fand der Prozess vor der Schwurgerichtskammer statt. Rund 15 Monate später wurde der Termin schließlich angesetzt, "wegen Überlastung des Gerichts", hieß es laut „Süddeutsche Zeitung“ in einer Begründung.Übrigens: Die anderen vier Einbrecher im Alter von knapp über 20 Jahren wurden längst vom Stader Landgericht zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.
BS


Aktualisierung vom 5. November:

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Staatsanwaltschaft und Verteidigung legten Rechtsmittel ein, berichtet die "Hannoversche Allgemeine". Sehr wohl habe der Angeklagte eine Notwehrlage für sich in Anspruch nehmen können. Nun muss sich der Bundesgerichtshof mit dem Fall befassen.
BS