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Jäger lehnen Entwurf für Waldstrategie 2050 ab

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Kathrin Führes
am
Freitag, 08.05.2020 - 16:08
Rehbock_verbissene_Eiche © EM
Der Entwurf zur Waldstrategie 2020 wird von der Jägerschaft scharf kritisiert.

Den am 16. April 2020 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vorgelegten und zur Diskussion gestellten Entwurf zum Kapitel Wald/ Wild für die Waldstrategie 2050 kritisiert ein Zusammenschluss verschiedener Verbände und Institutionen bestehend aus Deutscher Jagdverband, Bayerischer Jagdverband, Bundesverband Deutscher Berufsjäger, Deutsche Wildtierstiftung, Deutscher Jagdrechtstag sowie dem CIC.

Die Verbände unterstützen zwar die Ansicht des BMEL, dass Handlungsbedarf mit Blick auf den Wald besteht und begrüßen die Erarbeitung von Leitplanken, bekräftigten jedoch, dass der Wald mehr als der Produktionsort für Holz sei. Auch lehnen sie es ab, Jagd ausschließlich auf eine dienende Funktion für den Waldbau zu reduzieren.

Waldbauliche Fehler werden nicht beachtet

„Die Jagd ist eine anerkannte Form der nachhaltigen Nutzung und das Jagdausübungsrecht ist ein eigentumsgleiches Recht, das nicht in einem niederen Rang steht als die Waldnutzung.“ Der Textentwurf unterstelle flächendeckend hohe Schäden durch Wild an der Waldvegetation und sehe ihre Ursache einzig in der Wilddichte. Waldbauliche Fehler wie bspw. der Fokus auf die Fichte als „Brotbaum der Forstwirtschaft“ werden hingegen nicht benannt. Die Verbände pochen darauf, dass Vegetationsgutachten künftig nicht nur die Zahl geschädigter Bäume dokumentieren müssen, sondern auch untersuchen sollen, ob genügend Jungbäume unversehrt aufwachsen und das angestrebte waldbauliche Ziel erreicht werde.

Fördergelder sollen auch zur Anlage von Äsungsflächen verwendet werden

Aus Steuergeld finanzierte Fördermittel für die Forstwirtschaft sollten nach Ansicht der Kritiker mit ökologischen Kriterien verknüpft werden, wie etwa das Schaffen von Äsungsflächen oder das naturnahe Gestalten von Waldrändern.

"Überholtes Revier- und Prestigedenken"

In der Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirates für Waldpolitik beim BMEL wird die Jägerschaft scharf kritisiert. So wird unter anderem ein „überholtes Revier- und Prestigedenken“ als Ursache für angestiegene Schalenwildbestände angegeben. Auch sei ein „zentrales Hindernis für ein effizientes Wildtiermanagement die Tatsache, dass die Jagdausübung vielfach in der Hand von Jägern liegt, die bei der Jagd Entspannung vom beruflichen Alltagsstress und Erholung in der Natur suchen und dem Waldzustand gegenüber der Jagd keinen Vorrang einräumen.“ Weiter wird kritisiert, dass Jäger meist nicht Schadensersatzpflichtig für Wildschäden im Walden seien. Man solle sich von „undefinierten Begriffen wie „landeskulturelle Bedürfnisse“, „gesunder Wildbestände“, „ausgeglichenes Geschlechterverhältnis“ verabschieden und diese durch moderne Ziele aus Erkenntnissen der Wildbiologie, des Tierschutzes und der Waldökologie ersetzen“, so der Wissenschaftliche Beirat für Forstpolitik.

Es drohe eine Schwächung des Reviersystems

Der Deutsche Jagdverband kritisiert, dass viele Punkte vage formuliert seien und sogar Gesetzesänderungen nach sich ziehen könnten. „Es drohe eine Schwächung des Reviersystems oder verpflichtende Verbissgutachten. Diese wären ohne Gesetzesänderungen nicht umsetzbar.“ Jagd und Waldbau müssen künftig zusammen gedacht werden, jedoch zeichne sich dies derzeit nicht ab.

Kabinettvorlage soll 2021 fertig sein

Der Text, auf den sich der DJV bezieht, ist nach Angabe einer Sprecherin des Ministeriums ein erster Referentenentwurf, "der in einer vertiefenden Beratung mit Verbänden der Forstwirtschaft, der Waldeigentümer, der Jagd und des Naturschutzes diskutiert worden ist." Das Bundesministerium will die Diskussion und die im Nachgang der Diskussion eingegangenen Beiträge auswerten und anschließend einen überarbeiteten Entwurf vorlegen. Ziel sei eine Kabinettvorlage im ersten Halbjahr 2021. 


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