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Jäger, kämpft jetzt!

Zur Person: Dr. Florian Asche, geboren am 30. Januar 1968 in Hamburg, zwei Kinder, Jura- und Geschichtsstudium, seit 1997 Rechtsanwalt in Hamburg. Vorstandsmitglied der Max Schmeling Stiftung und der Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern. Buchautor „Jagen, Sex und Tiere essen“ und „Kannst Du mal die Leber halten?“. Foto: Dr. F. Asche © Dr. F. Asche

Zur Person: Dr. Florian Asche, geboren am 30. Januar 1968 in Hamburg, zwei Kinder, Jura- und Geschichtsstudium, seit 1997 Rechtsanwalt in Hamburg. Vorstandsmitglied der Max Schmeling Stiftung und der Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern.


Lieber Herr Müller-Schallenberg,
ich sitze am meinem Schreibtisch und der Entwurf der „Großen Novelle des Landesjagdgesetzes von Nordrhein-Westfalen“ liegt vor mir. Ich kämpfe gegen die Übelkeit an, die sich zwischen Magen und Kehle hin und her frisst und ich gestehe Ihnen offen: Es ist Angst.


Dabei bin ich überhaupt kein furchtsamer Mensch. Im Gegenteil. Ich lebe von Auseinandersetzungen und Konflikten. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht von Berufs wegen streite. Ich habe auch keine Angst vor dem Gesetzesentwurf, vor dieser Sammlung von neuen Verboten und Einschränkungen. Ich habe keine Angst davor, dass Herr Remmel den Jägern in Nordrhein-Westfalen vorschreiben möchte, was „ökologische Jagd“ ist. Ich fürchte weder das Verbot des Jagdschutzes vor wildernden Katzen noch die Abschaffung von Wildäckern im Walde. Dass Herr Remmel die Baujagd verbieten will, regt mich nicht auf und auch das Verbot von Totschlagsfallen, Taubenkarussel oder gemeinschaftlicher Rabenvogellockjagd lässt mich kalt. Die beabsichtigte Kürzung der Pachtperioden geht an mir vorbei. Auch die Wiedereinführung der Jagdsteuer oder die Abschaffungsermächtigung, die sich Herr Remmel für die Lebendfangfallen einräumen lassen will, berühren mich nicht. Beinahe belustigt es mich, dass die Abschussplanung sich nun am „sozialen Wohlbefinden der Wildtiere“ orientieren soll. Faktische Auswilderungsverbote, die Kürzung der Liste jagdbarer Arten, der Schießnachweis und das Verbot von Bleimunition, all das verursacht mir keine einzige unruhige Minute. Ich habe weder Angst vor Herrn Remmel noch vor seinen Beratern aus Naturschutz und Tierrechtsbewegung.


Ich habe Angst vor Ihnen, lieber Herr Müller-Schallenberg. 
Es ist Angst vor Ihrer Betulichkeit. Angst vor dieser Kaffee- und Plätzchenmentalität, den „konstruktiven Gesprächen“. Angst vor Ihrer „Politik der ruhigen Hand“. Wenn Ihr Verband als Reaktion auf einen Gesetzesentwurf, der von Verboten und Unfreiheit strotzt, verkündet: „Die Jagd wird nicht abgeschafft!“, dann klingt das schon nach einem echten Erfolg. Es klingt, als seien Sie schon fast zufrieden, als sei das Schlimmste von Ihnen verhütet worden. Dabei verabschieden wir uns gerade von allen Errungenschaften bürgerlicher Freiheit, für die Generationen vor uns geblutet haben. Was ist das für ein Land, in dem ich noch nicht einmal in meinem eigenen Wald einen Wildacker anlegen darf? Dieses Gesetz ist Ausdruck einer Anmaßung absoluter Deutungshoheit über den Begriff der Natur und das ist nichts anderes als ökologischer Faschismus. Man muss es so deutlich beim Namen nennen.


Die Überschrift über Ihrer Pressemitteilung hätte deshalb lauten müssen: „Der Kampf beginnt!“. Ich vermisse eine Sprache, die Herrn Remmel seinen ganz privaten, heißen Herbst prophezeit. Ich fürchte, dass Sie mit Ihrem flotten Hirschhornjanker und den freundlichen Umgangsformen alten Straßenkämpfern der alternativen Linken schlicht unterlegen sind.


Ich hätte mir gewünscht, dass Ihr Verband seine Bereitschaft zeigt, zu einer neuen außerparlamentarischen Opposition zu werden. Es ist Herr Remmel, der nun das wahre Establishment vertritt und wir sind es, die sich wehren müssen. Ein solches Wort hätte ich mir gewünscht. Und vielleicht höre ich es noch von Ihnen. Ich muss es hören, denn ansonsten schwappt diese neue Verbotskultur früher oder später in alle anderen Bundesländer, die noch erträgliche Jagdgesetze kennen, über. Deutschland ist auf dem besten Weg in holländische Verhältnisse.
Seien Sie deshalb nicht der Präsident der Verzagten, lieber Herr Müller-Schallenberg. Kämpfen Sie. Und zwar jetzt.

Herzlich, Ihr Florian Asche