Home News Jäger erschießt Jagdhund: Besitzer haut zu und zertrümmert Waffe

Jäger erschießt Jagdhund: Besitzer haut zu und zertrümmert Waffe

Deutsch-Drahthaar-Schutzweste © Eike Mross

Während einer Drückjagd bei Kühlsheim (Main-Tauber-Kreis/ Baden-Württemberg) wurde am Samstag ein Deutsch-Drahthaar im Jagdeinsatz erschossen. Der 60-jährige Schütze Roland R. hatte den Hund nach Angaben des Polizeipräsidiums Heilbronn für ein Wildschwein gehalten. Daraufhin sei der Besitzer des Hundes gegenüber dem Schützen handgreiflich geworden und hätte den Mann durch Faustschläge verletzt, heißt es seitens der Polizei. Sebastian Duschner, der als weiterer Hundeführer vor Ort war, erklärt ergänzend gegenüber der Redaktion, dass der Hundebesitzer offensichtlich die Waffe, mit der kurz zuvor von Roland R. der Hund erschossen wurde, an einem Baum zertrümmert hatte, um diese unschädlich zu machen.

Hündin trug blaue Schutzweste

Sebastian Duschner schildert die Gegebenheiten vor Ort wie folgt: Der Schütze war auf einem Drückjagdbock in einem Buchen-Altholz ohne Unterwuchs platziert. In alle Richtungen waren nach Angaben Duschners mindestens 80 Meter Sichtfeld mit sehr guter Übersicht vorhanden. Zum Zeitpunkt der Schussabgabe auf den Hund auf eine Entfernung von etwa 20 Meter sei demnach kein Wild in der Nähe gewesen. Lediglich ein Treiber hätte kurz zuvor Schwarzwild durch Rufe in der Ferne angekündigt, welches allerdings in eine andere Richtung flüchtete. Die Deutsch-Drahthaar-Hündin trug während der Jagd eine fast neue Schutzweste in den Farben blau, gelb und rot. Sie wurde mit einem Blattschuss sofort tödlich getroffen. Gegenüber Duschner sprach der Schütze von "fahrlässiger Sachbeschädigung".

Nicht der erste beschossene Jagdhund

Sebastian Duschner – der als Revierleiter selbst häufig auf Drückjagden ist – zeigt sich fassungslos über diese Aussage des Schützen, der selbst Führer eines Jagdhunds sei. Für den Förster ist es zudem völlig unverständlich, wie unter den gegebenen Voraussetzungen ein solcher Fehlschuss zustande kommen konnte. Duschner gibt außerdem an, dass Roland R. bereits vor wenigen Jahren den Hund eines Jagdfreundes mit Schrot beschossen hätte und somit "Wiederholungstäter" sei. Der Deutsch Langhaar überlebte damals nur knapp.

Ermittlungen gegen Hundeführer und Schützen

Gegen den Hundehalter ermittelt die Polizei jetzt wegen Körperverletzung, nachdem der Schütze Anzeige erstattet hat. Der Hundeführer selbst hätte, wie Sebastian Duschner erklärt, bisher noch keine Anzeige erstattet. Das Polizeipräsidium Heilbronn ermittelt dennoch, ob es sich bei dem Schuss auf den Hund tatsächlich um eine Verwechslung mit einem Stück Schwarzwild handelte, wie es Roland R. angegeben hatte. RW


Redaktion jagderleben Tagesaktuell, multimedial, fachlich kompetent – jagderleben.de versorgt täglich Jägerinnen und Jäger im deutschsprachigen Raum mit Neuigkeiten rund um die Themen Jagd und Natur.
Thumbnail