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Jäger diskriminiert

Von so viel Abwechslung und Bewegung wie sie diese Vierbeiner haben, können Tierheimhunde oft nur träumen. Foto: GF © GF

Das, was Jägerin Anna (Name von der Redaktion geändert) berichtet, ist schon ein „dicker Hund“. Sie folgte einem Aufruf, in dem das Tierheim Iserlohn Spaziergänger für die Heimhunde suchte. In ihrem Bewerbungsschreiben sagt sie, dass sie einen Jagdschein und durch ihre Vizsla-Hündin bereits Erfahrung mit Vierbeinern hat. Demnach könne sie vielleicht den Hunden noch etwas beibringen, wie zum Beispiel Leinenführigkeit.
Das Antwortschreiben beginnt zunächst noch sachlich. Doch dann kommt Brigitta Kliem, Vorstandsmitglied des TSV Iserlohn und Umgebung e.V., auf das Thema Jagd zu sprechen: „Ebenso selbstverständlich (wie das Retten von Tieren, Anm. d. Red.) ist für uns aber auch, dass wir das Jagen und Töten von (Wild-)Tieren durch Menschen strikt ablehnen und – wenn nötig – mit allen uns möglichen, rechtlich zulässigen Mitteln bekämpfen. Einer Vermittlung unserer Hunde an Jäger bzw. zum jagdlichen Einsatz ist für uns grundsätzlich ausgeschlossen. Dass eine ausgewiesene Jägerin mit unseren Hunden ‚am Gehorsam arbeitet’, ist für uns schlechterdings unvorstellbar und unseren Mitgliedern und Spaziergängern wohl auch nicht verständlich zu machen!“
Viel verständlicher ist hingegen, dass die Empfängerin dieser Zeilen sehr enttäuscht ist. In ihrer Antwort umreißt die junge Jägerin kurz, was die Grünröcke in ihrer Freizeit für die Umwelt leisten. Dies wird vom Tierheim so kommentiert: „...Sie wollen uns mit ihrer Argumentationsführung veräppeln! Wir alle wissen doch sehr genau, dass hinter der schön klingenden Fassade die Realität anders aussieht!“
Auf Nachfrage von jagderleben bestätigt der Tierschutzverein (in Persona Brigitta Kliem), dass man Gegner der „Freizeitjägerei“ sei. So stehe es auch in der Vereinssatzung. Man gebe Heimhunde nur in Jägerhände, wenn sie versichern, dass der Hund nicht für die Jagd verwendet wird. Grundsätzlich könnten Jägerinnen und Jäger mit den Hunden spazieren gehen, doch das jagdliche Interesse müsse außen vor bleiben. „Sehr viel differenzierter“ sehe man die Jagdausübung durch Mitarbeiter der kommunalen Forstämter, diese sei nämlich, da in öffentlicher Hand, kontrollierbar. Einer Zusammenarbeit mit diesen Jägern stehe laut Kliem nichts im Wege.
Erschreckend war das Ergebnis einer kurzen Internet-Recherche auf bekannten Anti-Jagd-Seiten. Eine davon berichtete ebenfalls von dem Schriftverkehr. In dem Text verbreitet der Verfasser gleich in den ersten Zeilen Unwahrheiten. Scheinbar ist auch ein Tierheim-Funktionär irgendwie mit der Homepage verbandelt. Zumindest hat eine Frau, die sich dort Brigitte Riemer nennt, Auszüge aus dem Email-Wechsel (der uns vorliegt) veröffentlicht. Natürlich versammeln sich gerade auf solchen Plattformen die „Tierschutz-Extremisten“, die Jägern vor allem eins wünschen: den Tod. Das ist auch der Grund, warum Anna anonym bleiben möchte – sie hat einfach Angst.
Wie man sich vorstellen kann, ist das Anfangsinteresse der Jägerin, sich um herrenlose Hunde des Tierheims Iserlohn zu kümmern, mittlerweile erloschen. Auch seitens des Tierheim-Vorstands hat man nun das angebotene Engagement abgelehnt. Vielleicht hört es sich so an, aber hierbei handelt es sich nicht um eine persönliche Fehde. Vielmehr befolgen die Tierschützer dem Grundsatz: Alle Menschen sind gleich, nur einige sind eben gleicher...
BS