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Jäger und Bauern im Dialog

Herzliche Stimmung: BJV-Präsident Vocke (r.) und Jagdkönigin Marion Lenz (l.) bedanken sich bei Amtschef Martin Neumeyer. Foto: JMB © JMB

Mit der gewohnten Themen-Vielfalt ging am Samstagvormittag nach dem gemütlichen Auftakt am Freitagabend der Arbeitsteil der Veranstaltung über die Bühne. In 16 Ausschüssen und Arbeitskreisen konnten sich die Delegierten aus den Kreisgruppen informieren, aber auch diskutieren. Soweit ein gewohntes Bild. Bei der Landesversammlung am Nachmittag glaubten manche Teilnehmer dann aber doch so etwas wie "Aufbruchstimmung" zu spüren. Als Indiz dafür, dass man mit diesem Landesjägertag das Thema BJV versus DJV endgültig hinter sich zu lassen gedachte, mag die Tatsache gelten, dass Präsident Vocke bei seinem Tätigkeitsbericht kaum darauf einging. Mit dem lapidaren Satz "zeige mir einer auch nur einen einzigen Nachteil, denn die Jagd in Bayern durch den Austritt erlitten hat", beendete er das Thema. Um so mehr beschäftigte sich Vocke mit der in jüngster Zeit aus den Reihen der Jägerschaft geäußerten Kritik an der Verbandsarbeit und seiner Person. Ausgesprochen und unausgesprochen arbeitete der BJV-Präsident dabei die Liste an Vorwürfen ab, die insbesondere von der "Jagd Agenda 21" ins Feld geführt wurde (siehe PIRSCH 03/2012). Vocke hielt dem Punkt für Punkt eine "Leistungsbilanz" entgegen, die seiner Meinung nach die Kritik klar widerlegt. Wie zur Bestätigung dessen, zündete das Präsidium am Ende der Landesversammlung dann noch ein vorher nicht angekündigtes "Feuerwerk" an Resolutionen zu den Themen "Abschussplanung", "Wildlebensräume", "Untere Jagdbehörden" sowie "Wald- und waidgerechte Jagd" (Wortlaut der Resolutionen siehe Linkliste unten). In diesem Kontext ist wohl auch die Tatsache zu sehen, dass beim Thema "Schwarzwildübungsgatter" jetzt plötzlich Bewegung im Spiel ist. Der BJV rechnet damit, dass es im Freistaat bis zum Herbst zu einer ersten Genehmigung für eine derartige Einrichtung kommen wird.

Bei der Festveranstaltung am Sonntag hielt Ministerialdirektor Martin Neumeyer das Hauptreferat. Er hatte die Vertretung für Staatsminister Helmut Brunner übernommnen, der als Mitglied der Bundesversammlung zur Bundespräsidentenwahl in Berlin weilte.
Der Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung Landwirtschaft und Forsten sieht die Jäger in der Mitte der Gesellschaft verankert, werteorientiert sowie wertebewusst handelnd. Das spiegele sich auch in der Tatsache wider, so der Ministeriale, dass im vergangenen Jahr mit über 1400 Personen so viele Jungjäger wie seit 20 Jahren nicht mehr ihre Jägerprüfung in Bayern abgelegt haben.
Neumeyer warnte jedoch vor Extrempositionen und Zersplitterung in den Reihen der Jägerschaft: "Dies stärkt Ihre Interessen nicht", lautete seine Schützenhilfe für die Argumentationslinie des BJV-Präsidenten in der Auseinandersetzung mit der "Jagd Agenda 21". Unterstützung sagte er bei der Entwicklung von leistungsfähigen Wildrettern für landwirtschaftliche Maschinen und zur Förderung von Saatgut zur Schaffung von Blühflächen zu.
Auf die "Forstlichen Gutachten" ging Neumeyer nur insofern ein, dass er nochmals an die Beteiligungsmöglichkeiten erinnerte und ansonsten einen partnerschaftlichen Umgang der Beteiligten miteinander anmahnte.
Am Ende der Veranstaltung fand unter der Moderation von Dr. Miroslav Vodnansky eine Podiumsdiskussion zum Thema "Niederwild ade? Wildtiere und moderne Landwirtschaft" statt. Es diskutierten: Josef Brandmayr, Landesjägermeister von Oberösterreich, Enno Piening, Vizepräsident des BJV, Ernst Gerauer, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der jagenden Land- und Forstwirte im BJV und Walter Heidl, Bezirkspräsident für Niederbayern des Bayerischen Bauernverbandes. Und darin sahen etliche Teilnehmer das eigentliche Signal dieses Landesjägertages: Der BJV will sein angespanntes Verhältnis zum Bayerischen Bauernverband verbessern.
Im Prinzip waren sich alle von Anfang an einig: Niemand will die Wildtierverluste in der Landwirtschaft. Es geht bei dem Thema auch nicht um gegenseitige Schuldzuweisungen, sondern um praktikable Lösungen. Diese sollen es den Landwirten ermöglichen, ein angemessenes Einkommen aus ihrem Betrieb zu erzielen, gleichzeitig aber auch den Lebensraum für Wildtiere zu verbessern, beziehungsweise zu erhalten. Ein weiterer Punkt, bei dem Einigkeit herrschte: Die Möglichkeit, Wildtierbestände zu nutzen ist ein entscheidender Anreiz für deren Schutz. Auf dieser Basis wollen Landwirte und Jäger in Bayern den Dialog weiterführen. JMB



JAGDERLEBEN-TV: Landesjägertag 2012



JAGDERLEBEN-TV: Landesjägertag 2012 - Arbeitsteil

PDF: Resolution Abschussplanung (Größe: ca. 70 kb)
PDF: Resolution Wildlebensräume (Größe: ca. 70 kb)
PDF: Resolution Untere Jagdbehörde (Größe: ca. 70 kb)