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Illegale Fütterungen: Schreiben von Ministerium sorgt für Ärger

Eva Grun mit Drahthaar. © Laura Grun
Eva Grun
am
Sonntag, 12.12.2021 - 15:36
Keiler-Kirrung-Schneise © Erich Marek

Mit einem Schreiben vom 26. November bittet Dr. Carsten Leßner, Leitung der Obersten Forst- und Jagdbehörde im Landwirtschaftsministerium Brandenburg, den Landesbetrieb Forst Brandenburg um Mithilfe wegen angeblich illegal betriebener Fütterungen. Besonders im Winter würden sich Hinweise auf missbräuchliche Fütterungen von Wild – auch in den von der ASP betroffenen Landkreisen – häufen. Auf Nachfrage der Redaktion erklärt das Ministerium, dass dort großflächig und in großer Menge ganze Zuckerrüben, Rübenschnitzel, Bäckereiprodukte sowie Getreide (Mais und Weizen), Heu und Silage ausgebracht wird. In der aktuellen Situation seien entsprechende Vorgänge nicht zu tolerieren.

Schwarzwild sucht nur noch selten Fallen auf

Laut Jagdgesetz ist das Füttern von Schalenwild außerhalb der Notzeit jedoch verboten – ausgenommen bei der Unteren Jagdbehörde angemeldete Ablenkfütterungen ohne Jagdausübung. Daher bittet das Landwirtschaftsministerium den Landesforstbetrieb, aufgrund seiner flächendeckende Präsenz im Rahmen der Amtshilfe dazu, solch illegalen Fütterungen zur Anzeige zu bringen. Als Grund wird angegeben, dass das Schwarzwild die in den ASP-Restriktionszonen aufgestellten Fallen nicht mehr oder nur noch sehr selten aufsuche. Außerdem würden durch den Futtereintrag Frischlingsbachen „das für die Reproduktion erforderliche Körpergewicht erreichen, wodurch wiederum mehr Frischlinge geboren werden“. Beides sei aus Sicht des Ministeriums eine Sabotage aller Bemühungen im Kampf gegen die ASP.

Großteil der Brandenburger Jäger verhalten sich gesetzeskonform

Direktor des Landesbetriebs Brandenburg, Hubertus Kraut, erklärt gegenüber der Redaktion, dass das Schreiben im Betrieb bekanntgegeben wurde, jedoch keine explizite Anweisung zur Suche gegeben wurde, da die Revierkollegen sowieso täglich im Revier seien. Sollte bei der Dienstausübung etwas – wie z.B. auch illegale Müllentsorgungen – auffallen, so soll dies entsprechend gemeldet werden. Kraut betont aber auch, dass dies eher eine Seltenheit ist und sich der Großteil der Brandenburger Jäger gesetzeskonform verhalten. Ein Generalverdacht wäre hier nicht angebracht.

Landesjagdverband ist verärgert über Schreiben

Der Landesjagdverband Brandenburg (LJVB) zeigt sich enttäuscht und verärgert über das Schreiben des Ministeriums. Er wirft ihm vor, „pauschal alle Jägerinnen und Jäger unter einen Generalverdacht“ zu stellen. „Keine Jägerin und kein Jäger betreibt Kirrungen (in extremen Ausnahmefällen vielleicht auch in unzulässiger Größe), um dort Sauen lediglich mittels Wildkamera aufzunehmen. Ziel ist immer, Strecke zu machen. Schon deshalb haben Sauen, die sich die Futteraufnahme an Kirrungen angewöhnen, ein kurzes Leben, was die Reproduktionschancen deutlich minimiert“, äußert sich der LJVB. Mit dem Sabotagevorwurf an die private Jägerschaft, die Schuld am Misslingen der Eindämmung der ASP zutragen, sei das Landwirtschaftsministerium „in jeder Hinsicht sachlich wie fachlich deutlich über das Ziel hinausgeschossen“. Immerhin träge die private Jägerschaft knapp 90 Prozent zur jährlichen Schwarzwildstrecke bei und unterstütze die Arbeit in den Restriktionsgebieten als Hundeführer und Drohnenpiloten.


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