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Ideale Wolfsgebiete?

Hält viele Gegenden in Deutschland für "wolfstauglich": Wildbiologin Dr. Julia Eggermann Foto: Günther Klahm © Günther Klahm

Zu diesem Schluss gelangte die 31-jährige Wildbiologin Dr. Julia Eggermann von der Ruhr-Universität Bochum nach achtjährigen Freilandforschungen an Wolfspopulationen in Nordportugal und Südostpolen.
Auf Einladung der Landesforsten Rheinland-Pfalz referierte sie im Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz zu dem Thema "Wolf und Mensch Koexistenz oder Konkurrenz?". Wölfe seien zeitlich und räumlich sehr anpassungsfähig und könnten auch in stark zerschnittenen Gebieten überleben, erklärte die Wolfsforscherin vor rund 30 Zuhörern, darunter Naturschützer, Wildbiologen, Förster, aber auch Jäger. Sie bräuchten "keine Wildnis, wohl aber genügend Nahrung". Je nach Landnutzung und Vegetation könnten dies Vieh, z.B. Ziegen (Portugal), oder auch Wild (Polen) sein.
Die größte Sterblichkeit bei den Wölfen verursache der Mensch durch illegale Abschüsse und Vergiftung sowie durch Unfälle im Straßenverkehr. In Deutschland war 1996 der erste Wolf in der Lausitz eingewandert. Im Jahre 2000 wurde der erste Nachwuchs bestätigt. Dr. Eggermann schätzt den Wolfsbestand in Deutschland auf rund 50 Tiere, die sich vom Osten her weiter nach Westen ausbreiten. Als weitere "optimale Gebiete" nannte sie den Odenwald und den Spessart, das Havelland und die Uckermark, aber auch die Regionen um Plön, da dort die Wölfe genügend Wild als Nahrung vorfänden.
Als "sehr ungünstige Gebiete" bezeichnete sie Nord- und Ostfriesland, den Thüringer Wald und die Schwäbische Alb. Durch die dortige verbreitete Viehhaltung könne es zu Konflikten mit den Besitzern kommen. "Wölfe können mit dem Menschen zusammenleben", resümierte die Wildbiologin. Aber kann es der Mensch auch? Dazu seien noch enorme Aufklärungsarbeit und viele Gespräche auch mit Jägern nötig, räumte sie abschließend ein. Günther Klahm