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Hund jagt Reh auf die Straße – Jäger vor Gericht

Der Laika-Rüde „Gismo“ verfolgte das Reh bis auf die Straße, wo es einen Wildunfall verursachte.


Bei Weißenhorn (Bayern) ereignete sich im Oktober 2018 ein Wildunfall, der nun vor Gericht verhandelt wurde. Ein Jagdhund hatte ein Reh gejagt und so auf eine Straße zugetrieben. Dort prallte es gegen ein langsam fahrendes Auto und flüchtete weiter. Am Fahrzeug entstand ein geringerer Sachschaden.

Die Überraschung folgte einen Monat später in Form eines Strafbefehls in vierstelliger Höhe gegen den Hundeführer und den Jagdleiter.

Hundeführer berichtet vom Unfall

Der betroffene Jäger schilderte das Vorkommnis und die Gerichtsverhandlung gegenüber der Redaktion folgendermaßen: Er habe mit seinen Jagdhunden an einer revierübergreifenden Drückjagd teilgenommen. Für einen der Revierteile habe er einen Begehungsschein und kenne sich gut aus. Da die nächste Straße mehrere hundert Meter entfernt lag, entschied er sich die Hunde zu schnallen.

Als der Führer bemerkte, dass sein Laika-Rüde "Gismo" nicht mehr in nächster Nähe unterwegs war, stellte er über das GPS-Gerät fest, dass der Hund sich in Richtung Straße bewegte. Er fuhr los, um ihn zurückzuholen.

Nachdem er "Gismo" eingesammelt hatte, passierte er den Unfallort. Dort stellte er fest, dass sein Hund indirekt an dem Unfall beteiligt war. Er hinterließ seine Kontaktdaten und setzte die Jagd mit Zustimmung der aufnehmenden Polizisten fort. Die Straße war ordnungsgemäß mit Warnschildern versehen worden.

Gericht zeigt Einsicht

Im November erhielten der Hundeführer und der Jagdleiter dann Strafbefehle. Diese forderten Strafzahlungen über 30 Tagessätze in Höhe von 1.200 bzw. 1.800 Euro, wegen des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Die beiden Betroffenen legten Einspruch ein.

In der Gerichtsverhandlung vor wenigen Tagen, zeigten sich alle Beteiligten nach Aussage des Hundeführers sehr maßvoll. Der befragte Polizist sagte aus, seiner Einschätzung nach hätte die Sache auch mit einem Strafzettel erledigt werden können. Auch die geschädigte Autofahrerin und die Richterin zeigten Verständnis.

Vor Gericht wurde den Ausrichtern der Jagd attestiert, verantwortungsvoll gehandelt zu haben. Man hätte lediglich zusätzlich beim Landratsamt anfragen können, ob es eine Geschwindigkeitsbegrenzung an der Strecke für angemessen erachte. Der Jagdleiter ging straffrei aus dem Prozess hervor, der Hundeführer stimmte einer Einstellung des Verfahrens gegen Auflage von 300 Euro zu. CL


Christian Liehner Redaktionsvolontär bei den dlv-Jagdmedien. Aufgewachsen am Bodensee. Jagdschein während des Studiums der Politikwissenschaft und Geschichte in Freiburg.
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