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Mit dem Hubschrauber gegen "Wilderer"

Jagen bis der Heli kommt: Eine Steinbock-Pirsch löste in Voralberg einen Hubschraubereinsatz aus. Foto: LH © LH

Es waren Szenen wie aus einem Kriminalfilm, die im August in der Nähe von Dalaas (Voralberg) zu beobachten waren. Der Revierjäger und ein Gast des Jagdpächters waren dort auf Pirsch. Diesem gelang es, einen Steinbock zu erlegen. Der Jagdausflug nahm jedoch ein jähes Ende. Es rückte die Polizei unter Einsatz eines Hubschrauber an, um die Personalien zu ermitteln und die Beute sicher zu stellen. Offenbar hatte jemand, der mit den dortigen Verhältnissen vertraut ist, den – wie es danach hieß – rechtswidrigen Abschuss mitbekommen und die Sache angezeigt.
Etwas konsterniert war der Jagdgast. Er war sich keiner Schuld bewusst. Aber auch er war der Wilderei verdächtig. Denn das Jagdgebiet ist strittig. Bereits seit 2004 erhebt zwar der deutsche Großindustrielle, der in Dalaas die Jagd gepachtet hat, Anspruch auf jenen Revierteil. Der jedoch ist Besitz einer Nachbargemeinde obwohl er auf Dalaaser Gebiet liegt. Eine Einigung erfolgte schließlich in der Form, dass gemeinsame Bejagung nach vorheriger Verständigung vereinbart wurde. Eine Absprache sei jedoch im fraglich Fall nicht erfolgt – so der Vorwurf – der Steinbock somit gewildert. Er kam in die Tierkörperbeseitigungsanstalt.
Inwieweit sich jemand für die vermutete Wilderei verantworten muss, ob der Jagdpächter, der Jagdführer oder gar der Jagdgast, war zum Zeitpunkt, als der Fall in die Presse gelangte, noch nicht klar. Mittlerweile ist der Vorwurf jedoch vom Tisch, die Ermittlungen wurden eingestellt.
Ein juristisches Nachspiel wird das ganze dennoch haben: Laut Auskunft von Landesjägermeister Dr. Ernst Albrich hat jetzt nämlich der beschuldigte Jagdpächter gegen den ursprünglichen Klagsführer ein zivilrechtliches Verfahren auf Herausgabe der Trophäe und wegen Rufschädigung angestrengt. Gegenüber der Redaktion machte Voralbergers oberster Jäger deutlich, dass es sich bei dem Vorfall wohl um die "Privatfehde zweier Berufsjäger" handelt. Den Polizeieinsatz bezeichnete er als "maßlos übertrieben", da keinerlei Fluchtgefahr bestanden habe.
PB/STH