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"Hubertushirsch" getötet.

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Freitag, 03.01.2014 - 01:00
Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme war der jetzt „gewilderte“ Hirsch noch wesentlich jünger, sein Geweih noch nicht so ausgeprägt. Foto: SBS © SBS
Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme war der jetzt „gewilderte“ Hirsch noch wesentlich jünger, sein Geweih noch nicht so ausgeprägt. Foto: SBS

Laut Auskunft eines Sprechers des Staatsbetrieb Sachsenforst (SBS), der die Anlage in Moritzburg unterhält, wurde der Torso des Tiers am Neujahrsmorgen von einem Betreuer des Geheges gefunden. Die alarmierte Polizei hat die Spuren gesichert und die Ermittlungen aufgenommen. Die Betreiber gehen davon aus, dass der Geweihträger „mit einem Schuss“ niedergestreckt wurde, ehe man ihm das Haupt abtrennte. In den Presseverlautbarungen ist von „Unbekannten“ die Rede. Offenbar vermutet man, dass es mehrere Täter waren. Diese haben sich laut SBS-Auskunft gewaltsam Zutritt zu dem Gatter verschafft, indem Sie an einer Stelle den Zaun auftrennten. Der getötete weiße Hirsch war vom 13. Kopf und von Jugend an im Wildgehege Moritzburg beheimatet. Er wurde mit Bezug auf die Hubertus-Legende auch „Hubertushirsch“ genannt.
Weißes Rotwild war schon zu Zeiten der sächsischen Kurfürsten ein Statussymbol. Die Regenten Johann Georg I. bis IV. hielten und jagten weißes Rotwild als Privileg und nutzten es zu repräsentativen Zwecken. Zunächst wurde es im Ostragehege gehalten, später auch in Moritzburg. Während seiner Zeit als Kurfürst ließ Johann Georg IV. 1693 unweit des Jagdschlosses Moritzburg einen „Thiergarten“ errichten. Aus dieser Anlage entwickelte sich das Wildgehege Moritzburg. Die Tradition des dort gehaltenen „weißen Rotwildes“ reichte zunächst bis 1945. Nach Kriegsende wurde sie vorerst nicht weitergeführt. Nach der Jahrtausendwende konnte diese Tradition jedoch wieder aufgenommen werden.
Das Wildgehege Moritzburg widmet sich seit nunmehr 13 Jahren der Aufgabe, weißes Rotwild – bei dem es sich nicht um Albinos, sondern um eine Unterart des heimischen Rotwildes handelt – zu hegen und zu pflegen. Diese Bemühungen haben mit dem Tod des gewilderten Hirsches einen Rückschlag erlitten.
Wie der Pressesprecher des Staatsbetrieb Sachsenforst, Daniel Thomann, gegenüber "jagderleben" mitteilte, handelte es sich bei dem ungeraden 22-Ender um den „Publikumsliebling“ der Moritzburger Anlage. Dieser sei nicht nur den Mitarbeitern sondern vor allem auch den Besuchern des Geheges sehr ans Herz gewachsen gewesen. „Der materielle Schaden der Tat ist wohl zu verschmerzen, wohingegen sich der ideelle Schaden kaum beziffern lässt“, so Thomann abschließend.
JMB