Home News Hochbeschlagene Geiß absichtlich gewildert?

Hochbeschlagene Geiß absichtlich gewildert?

Zwei tote Kitze lagen neben dem Aufbruch und Haupt der Geiss. © WR

Zwei tote Kitze lagen neben dem Aufbruch und Haupt der Geiss.


„Das bereitet mir schlaflose Nächte“, sagt der passionierte Jagdpächter gegenüber der Redaktion. Was er vergangene Woche beobachtet hat, wird er wohl so schnell nicht vergessen. Anfang Mai saß er in seinem Revier (Landkreis Rottal-Inn, Bayern) an, als er im Nachbarrevier einen Schuss vernahm. Mit seinem Fernglas konnte er den Nachbarjäger der Eigenbewirtschaftung auf seiner Kanzel beobachten und sah wie dieser nach gut 20 Minuten abbaumte. „Ich sah, wie er ein Stück Rehwild barg. Mir war gleich klar, dass das kein Bock ist und das „Schmalreh“ einen ganz schön dicken Bauch hat“, so der Jäger. Doch weiter dachte er in dem Moment nicht darüber nach, da sein Hauptaugenmerk auf den Reviergrenzen lag. In seinen Augen war das Stück eindeutig in seinem Revier erlegt worden.

Spaziergänger findet tote Kitze

Am nächsten Tag dann die böse Überraschung: Ein Spaziergänger meldete sich beim Jäger, er habe zwei tote Kitze und Aufbruch im Wald gefunden. Bei Prüfung des Fundes stellte sich schnell heraus, dass Aufbruch, Haupt und die beiden toten Kitze noch nicht lange liegen können. Ihm sei direkt klar gewesen, dass es sich um das erlegte Reh von gestern handeln muss, berichtet der erschütterte Jäger. Auf die Idee, dass es sich um eine hochbeschlagene Geiß kurz vor dem Setzen handelt, sei er im ersten Moment gar nicht gekommen. „So etwas macht man doch nicht!“, so der Niederbayer. Er berichtet, dass es in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit dem Ökologischen Jagdverband und der Bewirtschaftung des Rehwilds in den Nachbarrevieren gab. Auch der Beschuldigte soll dem ÖJV nahe stehen.

Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen

Die Polizei hat in dem Fall die Ermittlungen aufgenommen und ein Strafverfahren eingeleitet, so ein Beamter gegenüber der Redaktion. Man bewerte die Aussagen des Zeugen als sehr glaubwürdig. Derzeit wird noch untersucht, ob neben dem Verstoß gegen die Schonzeit, auch wegen Jagdwilderei gegen den Beschuldigten vorgegangen werden soll.

Preisträger des „Wald-Wild-Preises“

Die Jagdgenossenschaft, die der Beschuldigte angehört, hatte im vergangenen Jahr den „Wald-Wild-Preis“ des Bayerischen Bauernverbands Rottal-Inn für eine besonders gute nachhaltige und naturnahe Entwicklung des Waldes erhalten. KF


Kathrin Führes geboren in Lingen, Jagdschein seit 2014, hat nach dem Abitur Forstwissenschaft an der TU München studiert und ist nun seit 2015 bei der PIRSCH.
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