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Hirsch-Tracking gibt Überraschung preis

Eines der besenderten Alttiere zusammen mit seinem Rudel. Foto: ÖBf-Archiv/D. Dachs


Die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) untersuchten erstmals das Wanderverhalten von Rotwild in Österreichs weitläufigster Wildruhezone - dem Nationalpark Kalkalpen - und darüber hinaus. 16 weibliche und sieben männliche Stücke wurden seit 2012 mit einem GPS-Sender-Halsband ausgestattet. Dabei sendeten die Tiere rund 115.000 SMS-Nachrichten mit ihrem Aufenthaltsorte.
„Es zeigt sich deutlich, dass der Bewegungsradius von Rotwild weit geringer ist als angenommen. Am aktivsten sind die Tiere in der Dämmerung und nicht, wie von manchen vermutet, in der Nacht“, fasst Rudolf Freidhager, Vorstand der ÖBf die Ergebnisse zusammen. Klare Unterschiede im Verhalten wurden bei der Betrachtung einzelner Individuen deutlich. So war beispielsweise Alttier "Lotte" besonders wanderfreudig, sie durchstreifte mit mehr als 3.000 Hektar jährlich eines der größten Gebiete. Hirsch "Wilhelm" war vergleichsweise faul: In einem der Besenderungsjahre schaffte er nur 500 Hektar. Das kleinste Streifgebiet hat der achtjährige Brutus mit gerade einmal 140 Hektar.
Allgemein scheint die Bewegungsfreudigkeit der Tiere äußerst gering. Sie wechselten zwar oft den Standorte im Wald, im Schnitt wurden aber pro Stunde gerade einmal 300 Meter zurückgelegt. Junge Stücke schienen dabei eine weit ausgeprägtere Laufaktivität als ihre älteren Artgenossen zu haben.
Im Hinblick auf den Einfluss der Bejagung meint Nationalpark-Direktor Erich Mayrhofer: „Die Ergebnisse zeigen klar, dass Rotwild aus den umliegenden Wirtschaftswäldern nicht stärker in den weitgehend unbejagten Nationalpark einwandert. Die 23 besenderten Tiere haben auch die jagdfreie Kernzone nicht bevorzugt aufgesucht.“
Ein weiteres Hirsch-Telemetrie-Projekt der ÖBf im Nationalpark Donau-Auen in Niederösterreich soll bis 2019 weitere Erkenntnisse liefern.
PM/RW
Den Abschlussbericht des Forschungsprojekts finden Sie hier.