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"Himmel der Hirsche": Rotwildprojekt Grafenwöhr ausgezeichnet

Das Rotwild in Grafenwöhr ist in den Offenlandbereichen konzentriert. © Bundesanstalt für Immobilien - Marcus Meißner/Institut für Wildbiologie
Das Rotwild in Grafenwöhr ist in den Offenlandbereichen konzentriert.

Der Bundesforstbetrieb (BFB) Grafenwöhr (Bayern) wurde für seinen Umgang mit dem Rotwild ausgezeichnet. Auf dem etwa 23.000 Hektar großen US-Truppenübungsplatz Grafenwöhr wird seit 2014 das Projekt „Wo Rothirsche die Landschaft pflegen“ durchgeführt. Gemeinsam mit den Universitäten Göttingen und Dresden wurde dabei untersucht, wie sich eine Konzentration des Rothirschbestandes im Offenland auswirkt und welchen Einfluss dies auf Vegetationsentwicklung und Biodiversität hat. Die Jagd wird dabei auf wenige Tage im Jahr minimiert. Laut dem Forstdirektor des BFB Grafenwöhr, Ulrich Maushake, wird die Jagdausübung auf reife Brunfthirsche und vereinzelte Bewegungsjagden konzentriert.

Laut einer Pressemitteilung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, welcher der Bundesforstbetrieb Grafenwöhr angehört, zeigt das Projekt, dass durch die Beweidung mit Rotwild „ökologisch wertvolle Offenlandlebensräume erhalten bleiben“. Das militärisch intensiv genutzte Gelände ist zu etwa 85% als FFH-Gebiet ausgewiesen. Nach eigenen Angaben des Forstbetriebes befinden sich zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten auf dem Gelände. Im Projektzeitraum wurden 44 Rothirsche mit einem GPS-Sendehalsband ausgestattet.

Rotwild im Offenland: Dort wo es keinen Schaden macht

Für das Projekt wurden die Verantwortlichen am vergangenen Samstag vom Bayerischen Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz Thorsten Glauber (Freie Wähler) mit der UN-Dekade-Urkunde ausgezeichnet. Ulrich Maushake, betonte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass die Auszeichnung der Verdienst des langjährigen Rotwildmanagements auf dem Truppenübungsplatz ist.

Der bayerische Staatsminister für Umwelt Thorsten Glauber (5. v. r.) überreichte den Projektpartnern die Urkunde der UN-Dekade. © Bundesanstalt für Immobilien

Der bayerische Staatsminister für Umwelt Thorsten Glauber (5. v. r.) überreichte den Projektpartnern die Urkunde der UN-Dekade.

Maushake fasst die Entwicklung kurz zusammen: "In den 1980-er Jahren gab es katastrophale Waldschäden. Doch der Forstbetrieb Grafenwöhr entschied sich dafür nicht alles an Rotwild radikal abzuschießen, sondern mit einem umfassenden Managementkonzept die Probleme zu lösen. Durch eine räumliche Lenkung der Rotwildverteilung im Revier und die Schaffung von bestimmten Ruhezonen und einer räumlich sowie zeitlich gegliederten Jagdausübung, haben wir das Rotwild nun dort, wo es keinen Schaden macht. Wir stellten dadurch fest, dass das Rotwild im Offenland als Landschaftsgestalter und Wegbereiter zahlreicher Tier-und Pflanzenarten sich außerordentlich positiv auswirkt."

Zu den ausgezeichneten Projektpartner zählen neben dem Bundesforstbetrieb auch die am Projekt beteiligten Wissenschaftler, die Bundesanstalt für Immobilien sowie die landwirtschaftliche Rentenbank, welche das Forschungsprojekt finanziert hat.

Laut Informationen des BFB Grafenwöhr handelt es sich bei der Auszeichnung um eine Ehrenurkunde. Ausgewählt wurde das Projekt von einer deutschen Kommission, die über die Vergabe der UN-Dekade-Urkunden entscheidet.

Welche Vorteile Rotwild gegenüber Nutztieren hat

Bereits seit Jahren forschen Wildbiologen auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Mit seinem hohen Freiflächenanteil liefert er damit ideale Lebensbedingungen für das Rotwild. Die dort stationierten US-Soldaten bezeichnen den Truppenübungsplatz, laut einem Bericht der ZEIT, als „Himmel der Hirsche.

In vielen Gebieten werden Nutztiere zur Freihaltung von Offenlandflächen genutzt. Dies kann allerdings sehr aufwändig und teuer sein. Zudem stören Nutztiere auch den militärischen Übungsbetrieb.


Hannah Reutter geboren in Stuttgart, in der Landwirtschaft aufgewachsen, Jägerin und Führerin von DD & Dackel, seit 2018 bei den dlv Jagdmedien als Volontärin tätig.
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